Saving Mr. Banks


Schon seit ich denken kann, gehe ich gerne ins Kino – damals noch in Hamburg in das geschichtsträchtige Grindelkino (betrieben von der Universum Film AG, die leider mittlerweile Insolvent sind – wohl vor allem wegen den gesichtslosen Kino-Riesen Cinemaxx und UCI – und alle ihre Kinos in Hamburg dicht gemacht haben); wobei ich auch das Altonaer Szenekino Zeise immer schon toll fand – obwohl es so winzig war; vielleicht weil ich hier meinen aller ersten Kinofilm (Disneys Schnewittchen und die Sieben Zwerge) gesehen hab? In Husum wurde meine Liebe für kleine, unabhängige Kinos dann vollends besiegelt. Das Kino-Center Husum, bei dem es Tische statt Platzkarten gibt, mit hübsche Lämpchen, und Bestellungen an den Tisch, wird zum Lieblingskino. In Kiel folgt dann das STUDIO Filmtheater, welches sich vor allem durch die Begeisterung der beiden filmliebhabenden Kinobetreiber auszeichnet. In Bremen gibt es kein wirkliches Lieblingskino, aber da ich vor allem auch zum Sneak-Gänger geworden bin, wird auch hier wöchentlich die Sneak frequentiert.

Schon in Kiel hatte ich überlegt, eine kleine Blogreihe zu starten, zu den Filmen, die gesneakt wurden, was ich zeitlich nicht hinbekommen habe – hier in Bremen möchte ich das nun endlich angehen. Wenn ich es zeitlich schaffe, wird es hier jeden Montag oder Dienstag einen Beitrag zum Film geben, den ich gerade im Kino gesehen habe; unter der Rubrik “Sneaked” sollen diese dann gesammelt werden. Diese Woche war es, wie der Titel schon zeigt, “Saving Mr. Banks”


Von der Existenz des Filmes habe ich bis eben noch garnichts gewusst, und so war ich vollständig überrascht, als das Logo dann schon einen Disney-Film ankündigte. Disney? Oh nein, lass es bitte nicht den Muppets-Film sein. Und was ist das eigentlich für ein Disney Logo?! Es war verdammt alt. Nicht das 3D-Computeranimierte Schloss, aus dem heraus gezoomt wird, und bei dem dann die kleine Tinkerbell in einem Bogen über das Schloss fliegt, und dabei Sternenstaub regnen lässt. Nein, es war eine statische, blaue Silhuette des Schlosses.

Und dann lief mir eine leichte Gänsehaut über den rücken, schon nach den ersten drei Tönen drehte ich mich zu meiner Freundin um und sagte “Hey, dass ist doch aus Mary Poppins?!” Schon auf der Kennenlernfahrt der Erstsemesterstudenten der Physik stellte sich heraus, dass ich ein unglaublich gutes Filmmusik<->Film-Gedächtnis zu haben scheine. Wir hatten ein Spiel gespielt, bei dem zwei Teams jeweils den Titel zur eingespielten Musik nennen sollten – danach war mir der Titel als Freak/Geek sicher. Wir gewannen mit mehr als das doppelte der Punktzahl, und mindestens die hälfte der Tipps kamen von mir. Erschreckend.

Ich war mir also sicher, dass es die Melodie von Mary Poppins war, aber das passte nun so garnicht zu dem, was folgte.

Inhalt

Die Geschichte nämlich spielte in zwei Zeiten. In der einen muss es nah der Jahundertwende gewesen sein; es wird die Geschichte einer jungen Familie in Australien erzählt; die älteste Tochter – 8 Jahre alt – scheint die Hauptfigur zu sein, und diese hat ein sehr intensives Verhältnis zu ihrem Vater, der wie sich herausstellt, alkoholiker ist.

Die andere Zeit ist in den 60gern. Eine scheinbar psychisch mitgenommene alte Schriftstellerin, die sich in London niedergelassen hat, kommt in Geldnot, weil sie länger keine Bücher mehr geschrieben hat. Sie soll nun für eines ihrer Romane die Filmrechte verkaufen, damit sie wenigstens noch ihr Haus behalten kann, nachdem sie schon ihr Dienstmädchen gehen lassen möchte. Das aber möchte die Dame nicht, denn die Bücher und die Figuren sind ihre Familie, und sie traut niemanden, dass er sie so umsetzten kann, wie sie es sich wünscht.

Trotzdem lässt sie sich von dem Agenten überreden, und steigt in das Flugzeug um in die vereinigten Staaten zu fliegen. Erst jetzt erfahren wir, dass die Schriftstellerin, Pamela L. Travers, ihre Rechte an Disney abtreten soll. Walt Disney persönlich lädt sie zu sich ein und sie unterhalten sich darüber, wie er schon seit 20 Jahren versucht, Travers die Rechte für den Film abzukaufen. Ihre Romanfigur nämlich – Mary Poppins – ist eines der Lieblingsfiguren der Töchter von Walt Disney, und er hat diesen versprochen, die Romane irgendwann mal zu verfilmen. Aber schon beim ersten Gespräch wird klar – das Walt Disney die Rechte bekommt, ist noch sehr unwahrscheinlich. Denn Pamela Travers und Walt Disney kommen überhaupt nicht klar; alleine schon, das er sie mit “Pam” anspricht, während sie gerne Miss Travers genannt werden möchte, und sie ihn immer mit Mr. Disney anspricht, während er von allen mit Walt angesprochen werden möchte, zeigt, dass hier zwei Sturköpfe aufeinander treffen, die nicht bereit sind, dem anderen mehr zu geben als nur zwingend nötig.

Und so hat Ms Travers auch schon am ersten Satz des Skriptes Sachen auszusetzten – alle Gespräche sollen – damit ihr Wille deutlich dokumentiert ist – per Tonband aufgezeichnet werden. Die geplanten Schauspieler passen ihr genau so wenig, wie das aussehen der Figuren, oder des Hauses; und auch auf die Lieder will sich Ms Travers so garnicht einigen – ihr Buch ist ernst, kein Musical! Zwei Wochen lang versucht das Team von Walt Disney – gestehend aus dem Screenwriter Don DaGradi und den Komponisten Richard und Rober Sherman – mit Ms Travers auf einen Nenner zu kommen, und als es schon fast so aussieht, als sei das Eis gebrochen, findet Ms Travers dann heraus, dass Disney ihr verschwiegen hat, dass die Pinguine doch als Zeichentrick animiert werden sollen. Sie fühlt sich hintergangen, und verlässt die USA wieder, ohne die Rechte an Disney abzutreten.

Dieser wiederum kommt dann endlich hinter das Geheimnis von Ms Travers und fängt an, zu verstehen, warum sie so verbittert ist. Er fliegt ihr hinterher, besucht sie in London, und führt mit ihr ein intensives Gespräch, dass Ms Travers nicht nur umstimmt – sie gibt ihm die Rechte, ohne weiter an der Umsetzung beteiligt zu sein – nein, in ihr erwacht auch ihr kreativer Tatendrang, sie fängt wieder an zu schreiben, ein neuer Mary Poppins-Roman (und es sollten insgesamt noch 10 weitere Romane folgen).

Umsetzung

Die verbitterte Pamela Travers wird in John Lee Hanckocks Filmbiographie von Emma Thompson gespielt, und wie Fotos im Abspann zeigen, passt sie vom äußeren Wunderbar in die Rolle. Potter-Fans werden in ihr vielleicht die Wahrsagerin Sybill Trelawney wiedererkennen – ich allerdings hätte das nicht geshen, wenn ich es nicht gewusst hätte. Ihre Rolle spielt sie überzeugend; so sehr, dass sie für 2014 für einen Oscar in der Kategorie “Beste Hauptdarstellerin” nominiert ist. Die anderen wichtigen Personen im Cast sind die drei Teammitglieder die von Bradley Whitford (DaGradi), Jason Schwartzman (Richard Sherman) und B.J. Novak (Roert Sherman) gespielt – allesamt namhafte Schauspieler, die ihr Handwerk mehr als verstehen, und auch in diesem Film solide spielen. Da sie aber reine Nebenrollen sind, wird ihren Charakteren wenig Spielzeit und Handlung geschenkt. Anders da Walt Disney, der in der Tat von Tom Hanks gespielt wird! Hätte ich vorher gewusst, dass Tom Hanks Walt Disney spielen sollte, ich hätte wohl mächtig den Kopf geschüttelt. Als ich Disney dann aber das erste mal auf der Leinwand gesehen hatte, wusste ich zwar, dass ich den Schauspieler kannte – ich war mir aber nicht sicher, ob das da wirklich Tom Hanks war. Die Ähnlichkeit war nicht von der Hand zu weisen, die Maske hat ihn aber wunderbar verzaubert, so dass er dem wahren Disney doch sehr nahe kommt. Aber auch Tom Hanks wirkt zuweilen wie eine Nebenfigur – sehr viel Schauspiel hat man auch ihm nicht gegeben, sodass ich hier lediglich von einer soliden Schauspielleistung sprechen kann.

In den Rückblenden auf die Jugend ist neben der noch völlig unbekannten Kinderschauspielerin Annie Rose Buckley, vor allem Collin Farell zu nennen, der seine Rolle als liebender aber alkoholabhängiger Vater ebenfalls so spielt, wie man es von ihm gewohnt ist – aber als wieder quasi alleiniger Schauspieler ohne viel Gegenspiel ist auch er in seiner Rolle völlig unterfordert.

Das ist in meinen Augen eine der größeren Kritiken an dem Film. Von allen Schauspielern kennen wir Spitzenleistung, dieses Skript aber unterfordert sie ein wenig – keiner wird hier zu herausragenden Leistungen getrieben – es gibt wenig Emotionsausbrüche, die gesamte Geschichte ist fast sachlich-nüchtern dargestellt; die Charaktere verharren ohne viele Einsichten auf ihren Standpunkt.

Natürlich ist der Stoff andererseits aber auch kein Action- oder Drama-Film. Es werden die zwei Wochen bis hin zur Entstehung von Mary Poppins dokumentiert und das gelingt mit viel Detailliebe und sanften und liebevollen Humor. Die Geschichte ist als solche auch mehr oder weniger vorhersehbar, überraschungen gibt es nicht, und dennoch hat mich der Film bis zum Ende im Sitz gehalten – das ist primär Emma Thompsons verdienst, denn ihre portraitierung der verbitterten und grantigen Pamela lässt dennoch unerklärliche Sympathien für diese aufkeimen, und so wünscht man sich von Anfang an, dass für die Frau alles gut werden wird.

Die Kullisse ist meist das Büro in dem gearbeitet wird, oder aber das Hotelzimmer von Pamela. Hier wird auch recht wenig Abwechslung geboten; auch die Rückblenden sind vom Szenenbild simpel gehalten und bieten wenig für das Auge.

Ein besonderes Schmankerl war für mich die Musik, sowie die Szenen aus dem Film Mary Poppins. Auch wird es zum Schluss dann doch an einer stelle recht rührend. Für den Abspann zeigt uns John Lee Hanckock dann nicht nur Fotos und original Sketche und Notizen aus der Produktion von Mary Poppins. Nein, am Ende bekommen wir auch einen Auszug aus eines der original Tonbänder zu hören, in welchem die echte Pamela Travers das Skript zerflückt. Ein echt toller Abschluss, der das ganze noch mal ordentlich abrundet.

Fazit

Mir persönlich fällt es schwer eine Empfehlung für den Film auszusprechen; genau so sehr möchte ich aber nicht sagen, dass der Film schlecht gewesen sei. Ich persönlich habe Mary Poppins irgendwann in den späten 80gern oder den frühen 90gern als Disney-Film in der Sonntags-Nachmitagsvorführung auf dem ZDF gesehen, und ich kann mich an relativ wenig aus dem Film erinnern. Was mich aber gepackt hat, und was ich seit dem mit mir herumtrage, sind die wundervollen Lieder, die in Mary Poppins vorkamen. Selbst heute noch kriege ich urplötzlich einen Ohrwurm von Chim Chim Cheree oder A Spoon Full of Suggar.

Ich habe diesen Film kein weiteres mal gesehen und trotzdem habe ich bei dem Gedanken an den Film automatisch ein schönes Gefühl, dass sich in mir breit macht. Von daher hat dieser Film im Kino für mich alleine deshalb ein persönliches Intersse angesprochen. Von der Produktion oder aber der Autorin wusste ich bis dahin noch absolut nichts, und so war ich doch überrascht, dass es eine so ernste Hintergrundgeschichte gibt, und das die Autorin so viele negative Ereignisse – man möchte schon sagen ein “Kindheitstrauma” auf eine so positive Art und Weise für sich verarbeitet hat.

Hat man diese persönliche Verbindung mit diesem Film nun aber nicht – und ich denke, nur die wenigsten werden heutzutage noch einen Film aus den 60gern mit ihrer Kindheit in Verbindung bringen können – ich persönlich jedenfalls habe Mary Poppins seit Dekaden nirgends mehr ausgestrahlt gesehen – dann könnte dieser Film nur dann interessant sein, wenn man entweder generell auf niedliche Filme steht, die auch mit wenig herausforderndem Schauspiel auskommen – oder aber wenn man prinzipiell ein Fabel für Filmbiographien hat, und bspw. auch Hitchcock primär deshalb interessant fand, weil es die Entstehung von Psycho darstellte.

Den Spitzenleistungen, zu dem die Schauspieler dieses Films durchaus in der Lage sind, wird das Skript aber nicht gerecht und ist – für eine amerikanische Produktion – daher auch fast schon ein wenig untypisch.

Ich aber bin froh, ihn gezeigt bekommen zu haben. Wer sich für den Film interessiert: Ab den 14.03.2014 soll er in den deutschen Kinos gezeigt werden.

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