Gute Serienfinalen und eine Frage zu Scrubs Med School


Es ist jedes mal wieder ein komisches Gefühl, eine Serie komplett zu Ende zu gucken. Besonders wenn man die Serie liebt, wenn man sie nicht nur nebenbei schaut, sondern sie ein fester Bestandteil des Alltags wird.

Besonders intensiv habe ich dies bei meiner ersten, wirklich aufmerksam geschauten Serie gemerkt, Six Feet Under, die mich schon nach den ersten Folgen so sehr gefesselt hat, dass ich gemerkt hatte, dass aus meinen Plan, die Serie im Hintergrund vor sich hin plätschern zu lassen nichts wird.

Vielleicht sollte ich dazu erzählen: Ich war lange Zeit kein aufmerksamer Serien-Gucker. Wenn mal was im Fernsehen lief, was sich gut gucken lies, hab ich das getan – King of Queens, The Fresh Prince of Bel-Air, Full House, Bill Cosby Show, Knight Rider, Adelheid und ihre Mörder, Großstadtrevier… das war das was ich damals gesehen hatte. Kleine, abgeschlossene Geschichten, keine Spielfillmlänge, leichte Kost, die, wenn man mal darauf Lust hatte, und eine Folge gerade lief, gut eben gucken konnte, ohne dass sie einen zu sehr aus dem Alltag rissen. Irgendwann kamen die Serien mit kontinuierlicher Geschichte in Mode – der “Serien-Mittwoch” – und das war absolut nichts für mich. Sich bewusst hinsetzen und eine Serie gucken? Nicht wirklich mein Ding, zu aufwendig, zu lange, zu viel (über die gesamte Serie) und doch auch zu wenig (bezogen auf eine Folge).

Bis ich mich dann erstens meines Fernsehers entsagt hatte, und zweitens aus Gran Canaria zurück in meine Einzelwohnung kam. Nach sieben Monaten mit vier weiteren Menschen auf engsten Raum leben, immer wen zum Reden haben, immer wen um was zu unternehmen, immer etwas, das los war – die schlagartige Umstellung von solch einem Leben auf ruhige Einzelwohnung im Wohngebiet in einer winzigen Kleinstadt, wo auch nur wenig junge Leute und wenig Möglichkeiten gab… um in dieser erdrückenden Stille nicht durchzudrehen sollten die Serien her – und um mein neu gewonnenes fließendes Englisch nicht wieder zu verlieren, sollte es auf Englisch sein. Während ich koche, esse, Hausarbeiten mache, lerne, etc. Eben rein als Hintergrund-Beschallung. Mit Friends fing es an, und das erfüllte seinen Zweck wunderbar. Aber auch das hatte ein Ende, dass ergreifend war, und vor allem war die Leere, nachdem Friends dann 2008 nach einigen Monaten durchgeschaut war, irgendwie noch erdrückender. Und so kam ich zu Six Feet Under – die erste der Serien, die mich so sehr gefesselt hat, dass das Serien-Gucken zur Haupttätigkeit wurde. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich teilweise abends da lag, mir dachte: “Du musst morgen aufstehen, dass ist die letzte Folge, die Du guckst” – und dann hab ich nach zwei weiteren Episoden auf dem Sofa geschlafen, auf dem ich mir mein Bett-Lager zurecht gemacht hatte.

Und das Serienfinale war phänomenal. Ergreifend, erschütternd, feierlich, positiv und negativ. Es ist bisher noch keine Serie an dieses Gefühl heran gekommen, ich konnte danach nicht einfach die nächste Serie gucken, ich musste das bearbeiten, sacken lassen. Wow.

Danach sollte übrigens Dexter folgen, was dank Michael C. Hall nicht ging, denn die 180°-Wendung vom emotionalen, anhänglichen, schwulen, schwächlichen Jammerlappen zum emotionslosen, kaltblütigen, unbarmherzigen und starken Killer ging einfach nicht. Das liegt übrigens nicht an Michael C. Hall, der diese beiden so grundverschiedenen Charaktere so unglaublich überzeugend darstellt, dass ich ihn für einen wirklich herausragenden Schauspieler halte.

ScrubscardIch bin mir nicht mehr wirklich sicher, welche Serie ich also zwischen schob. Ich vermute aber, dass es Scrubs war. Ich hatte viel positives von der Serie gehört, war aber von Anfang an skeptisch, da ich bei Komödien sehr wählerisch bin und auch ein gewisser Anspruch getroffen werden muss, den ich beim Humor der Serie um den unbeholfenen, kindischen Artztanwärter John ‘J.D.’ Dorian und seinen vielen absurden Tagträumen nicht erfüllt gesehen hab. Bis Staffel 7 hatte ich die Serie damals geguckt, mittlerweile weiß ich auch warum – nämlich weil mehr bis zu dem Zeitpunkt noch nicht ausgestrahlt wurde. Von Staffel 7 gab es noch 2-3 Folgen die ich gesehen hatte, dann hörte es auf. Ich ging über in meine nächste Serie, ohne dass Scrubs irgendetwas in mir ausgelöst oder hinterlassen hätte – hätte ich die Serie nicht gesehen, es hätte mir nichts gefehlt.

Auf Scrubs folgten viele, viele weitere Serien. Ein Kommilitone zeigte mir irgendwann Trakt.tv – das so ein bisschen was von last.fm für Serien hat – und demnach hab ich wirklich bewusst schon 62 Serien mit insgesamt fast schon 5.000 Episoden geschaut (seht selbst 😉 ). Es war die Seite, die es mich ärgern ließ, dass ich Scrubs nie komplett geschaut habe, denn es fehlten ja tatsächlich nur 1,5 Staffeln zum Finale. Und so reifte der Entschluss, die Serie doch noch mal von Staffel 1 an zu gucken – denn ich hab die Serie echt nur nebenbei geschaut, und wenig mitgenommen, war mir noch nicht einmal genau sicher, wo ich aufgehört hatte – und auch wenn die Serie so wirkt, als wäre sie nicht-kontinuierlich gibt es doch auch einige Storylines, die sich erst über die Serie hinweg entwickeln.

Und so hieß es vor einigen Wochen wieder regelmäßig “I can’t do this all on my own, No, I know, I’m no superman”.

Für alle die, die Serie noch nicht kennen: Der vielschichtige Titel “Scrubs” gibt schon ziemlich gut wieder, worum es sich bei der Serie handelt. Zum einen sind “Scrubs” die typische Arbeitskleidung für das Krankenhauspersonal in Amerika. Ursprünglich aus der Chirurgie und von “to scrub” – schrubben – abgeleitet, bedeutet “Scrub” umgangssprachlich aber auch “Anfänger” oder sogar “Amateur” (im Sinne von Versager). Somit ist der deutsche Titel “Scrubs. Die Anfänger” sogar mal ziemlich gut. Es geht um die College-Freunde John ‘J.D.’ Dorian und Christopher ‘Turk’ Turk, die nach ihrem Studium im “Sacred Heart Hospital” eine Art auf das Studium aufbauende praktische Ausbildung anfangen (im Englischen heißen sie “Interns”, was sich mit Praktikant übersetzten lässt), um den Beruf zu erlernen. Trotz eines sehr harten (und durchaus realistisch dargestellten) Arbeitsalltag, in dem viele unschöne und schwer zu verarbeitende Dinge passieren, handelt es sich um eine Komödie. Wir sehen aus J.D.s Sicht – und vor allem aus seiner Gedankenwelt, an der wir einerseits in seiner Rolle als Erzähler teilhaben, diese andererseits aber auch visuell durch seine Tagträume verdeutlicht bekommen – den Arbeitstag. Und J.D. ist ein tollpatschiger und infantiler Internist – seine Tagträume sind absurd, sein Handeln oft überdreht. Ein wichtiger Bestandteil ist seine “Beziehung” zu seinem besten Freund, dem Chirurg Turk, die sich am besten mit “vorpupertär” beschreiben lässt, da es zwischen den zwei eine sowohl sehr infantile als auch emotional stark bindende Freundschaft gibt, die von außen lediglich als schwul wahrgenommen wird (bedingt durch Beispielsweise Kosenamen, wie “my chocolate bear” aber auch sehr vielen langen Umarmungen und Gefühlsbekundungen). Ein anderer wichtiger Aspekt der Serie ist die Beziehung von J.D. zu Perry Cox. J.D. sieht diesen als Mentor, auch wenn dieser verbittert, sarkastisch und narzisstisch ist, und J.D. das Leben schwer macht. Dennoch ist J.D. stehts bemüht, in Dr. Cox’ Ansehen zu steigen, denkt das dieser nur missverstanden wird und ist vor allem fest davon überzeugt, dass Dr. Cox tief verborgen freundschaftliche Emotionen zu J.D. hat – was nicht ganz unwahr ist, wie sich manchmal herausstellt – auch wenn Dr. Cox J.D. menschlich größtenteils unausstehlich findet, ist dieser vor allem von seinen Leistungen begeistert und davon überzeugt, dass J.D., weil er sehr bemüht ist und ihm die Sache und seine Patienten am Herzen liegen (“he cares”), ein hervorragender Arzt sein wird. In meinen Augen ist Dr. Cox ein wenig der Prototyp für Dr. House aus House, M.D.
Eine Nebenfigur – für mich aber eine der besten Charaktere der Serie – ist “the Janitor” (der Hausmeister). Wegen einer unglücklichen Fügung wird dieser zum Widersacher von J.D. und versucht ihm mit allen mitteln das Leben schwer zu machen. Dabei geht er zuweilen sehr intelligent und hinterlistig vor, ist dann an anderen Stellen wieder verrückt oder dümmlich und abstrus. Zu seinen Hobbies gehört das Ausstopfen von toten Tieren. Ansonsten weiß man nicht viel über den Janitor, was unter anderem auch daran liegt, dass er jedes mal wieder eine andere Geschichte über sich erzählt. Sei es über seine Herkunft, sein Familienleben, seine Bildung und vorherige Professionen, etc. Und so weiß man nie, wann er wirklich er selbst ist und wann er einem nur etwas vorspielt.

Eingebettet in dieses Setting haben wir mehrere Alltags-Folgen, die durchaus einiges an Kreativität an den Tag legen. Der Ideenreichtum der Schreiber der Serie ist bemerkenswert. Genau so ist es aber auch das Darsteller-Repertoire, dass die Schauspieler an den Tag legen. Neben klassischen schauspielerischen Fähigkeiten sind dies vor allem Gesang und Choreographie, die beispielsweise in einer Musical-Folge, oder in einer Sitcom-Folge herausragen und zeigen, dass die Schauspieler einiges mehr auf den Kasten haben. Der Humor trifft meinen Geschmack ansonsten aber nicht sonderlich, weswegen die Serie insgesamt eine gute “Nebenbei”-Serie ist, mehr aber auch nicht. Was mir fehlt ist der Tiefgang, die Charakterentwicklung durch das erlebte, etc. Da ist einfach zu wenig drin, da hätte viel mehr heraus geholt werden können.

Nichts desto trotz, beim zweiten schauen der Serie gefiel mir diese dann sehr viel besser, als beim ersten Mal. Woran genau das liegt, kann ich nicht sagen – sonderlich witzig fand ich sie auch weiterhin nicht. Trotzdem – die Serie hat etwas – auch wenn man nach so vielen Folgen irgendwann doch das Gefühl hatte, dass sich einiges zu wiederholen scheint. Ich kann es nicht in Worte fassen, was die Serie so kurzweilig gemacht hat, aber ich hab tatsächlich grad wieder eines dieser Löcher, wenn eine Serie zu Ende geht. Besonders überrascht war ich dann aber von dem unglaublich gutem Serienfinale.

Ich habe ja schon erwähnt, dass ich nach Six Feet Under (und ohne Scrubs) 59 weitere Serien gesehen habe. Davon sind natürlich noch nicht alle beendet, aber ein Großteil ist es: King of Queens, Desperate Housewives, die Star Trek-Serien, Gossip Girl, Lost, Battlestar Galactica, Nip/Tuck, The Shield, … – um nur einige zu nennen. Und bis dato war es immer das selbe: Es gab wenig Enden die mich begeistert haben (Battlestar Galactica) – einige waren in Ordnung, von den meisten war ich allerdings auch mächtig enttäuscht – Gossip Girl, Startrek, Nip Tuck, Lost, King of Queens, Cold Case. Hier werden oft Serien, die einen über Jahre begleitet haben, lieblos hingeschmissen. Charaktere, mit denen man mitgefiebert hat, durch alle höhen und tiefen gegangen ist, völlig lieblos verabschiedet. Als wenn – sobald die Quoten nach unten gehen – die Autoren auf einmal unterbezahlt werden würden, und es ab nun heißt: Keine Sekunde zu viel verschwenden.

Ich habe übrigens bewusst Serien genannt, die ich auch bewusst geschaut habe, die mir wichtig waren, und zumindest teilweise auch am Herzen liegen. Irritierend, dass es eine Serie, die ich nett für nebenbei zu gucken finde, es da schafft, mir doch ein kleines bisschen Gänsehaut mit dem Serienende zu zaubern. Wow war das herzlich, war das schön! Es gab Rückblenden, Vorausblenden, wichtige Charaktere, sei es aus der laufenden Crew, seien es Patienten und Nebenrollen, lebendig oder tot. Sie waren alle da, es war ein gebührendes Ende, das einen auch schlechte oder langweilige Folgen verzeihen lässt. Und somit bleibt zu sagen: Eine runde Sache. Wer den Humor ansprechend findet, sollte die Serie unbedingt schauen. Wer hingegen auch offen dafür ist, etwas zu gucken, was ihn nicht komplett vom Hocker reißt, sollte der Serie aber auch eine Chance einräumen. Vielleicht schafft es diese Serie trotzdem, lieb gewonnen zu werden. Zumindest ein bisschen hat sie es bei mir!

Scrubs_-_Med_School_LogoUnd so ist sie nun doch da, die Leere, die 2008 nach der Serie vermisst wurde. Und für mich eine Entscheidung zu fällen: Scrubs [Med School] – eine Fortsetzung und/oder Ableger bei der nur noch Dr. Cox und Turk aus der alten Serie übrig gebleiben sind, sowie die neu eingeführte Denise Mahoney – und in der die anderen Scrubs-Mitglieder ab und an mal einen Gastauftritt bekommt, der großteil aber weg ist. Scrubs aus der Sicht einer weiblichen Hauptperson, die wohl ähnliche Charakterzüge hat, wie J.D., eine vom Sender georderte 9. Staffel, nachdem die Serie mit der 8. doch beendet wurde. Angucken?! Es schreit eigentlich alles danach, es nicht zu tun, denn wahrscheinlich wird es die Serie im nachhinein nur trüben. Aber ich mach mir auch gerne ein eigenes Bild, und wenn es nur die Bestätigung ist, dass etwas wirklich schlecht ist. Und nun? Was sagt ihr?

Oh, und für alle, die mal in Scrubs hinein schnuppern möchte, habe ich für alle – der aus meiner Sicht – wichtigen Elemente der Serie ein paar Beispiele aus YouTube herausgepickt:

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2 thoughts on “Gute Serienfinalen und eine Frage zu Scrubs Med School

  1. Wenn dir der Humor nicht so recht zusagt, würde ich Medschool nicht empfehlen. Die Charaktere bleiben meines Empfindens nach eher oberflächlich. Ich hab einfach weitergeguckt, weil es a) im Fernsehen lief und b) Doktor Cox noch dabei war, den ich immer wieder ziemlich gut finde.

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