Evil Dead (2013)


37602_00520ca712f9c7d8a58acf4c7a102e17_Hauptplakat(494x700)Einer der Filme für das Kino-Jahr 2013 war für mich das Remake des Klassikers Evil Dead gewesen, wie ich hier schon ankündigte. Was vielleicht auch schlecht war, da die Erwartungshaltung dadurch sehr hoch gesetzt wurde. Gestern, am 07.06.2013 ,zeigte mein Lieblingskino den Streifen das erste mal, und ich konnte mich davon überzeugen, ob der Film die gemachten Versprechen hält.

Dabei bin ich eigentlich kein so großer Fan vom 1981 erschienenen The Evil Dead (im Deutschen als “Tanz der Teufel” bekannt, welches ich irgendwie doof finde, weswegen ich weiterhin The Evil Dead für das Original und Evil Dead für das Remake verwenden werde). Das liegt wahrscheinlich auch ein wenig daran, dass ich als Mensch mit Jahrgang Mitte 80er meine ersten bewusst geschauten Horrorfilme Ende der 90er gesehen habe. Ich weiß leider nicht mehr wirklich, welches mein erster richtiger Horror-Film gewesen ist, ich glaube, es war entweder I know what you did last Summer, oder aber Urban Legends – beides Filme aus 1997/1998 welche man ja eher einem anderen Zweig der Horrorfilme zuordnen würde, als dies bei The Evil Dead der Fall ist. Nach meinem Wissen jedoch ist dieser aus mehreren Gründen für die Reihe von Filmen prägend gewesen, die einfach irgendwo an einem verlassenen Ort in einer verlassenen Hütte Urlaub machen. In einem Zitat heißt es:

Aus der Masse der […] Splatter- und Gore-Filmen […] ragte […] vor allem Sam Raimis Splatterfilm Tanz der Teufel (engl.: The Evil Dead, 1981) heraus, der trotz seines niedrigen Budgets zu einem Kultfilm des Genres avancierte. Verantwortlich dafür war nicht zuletzt die innovative und experimentelle, extrem subjektivierte Kameraführung, die teilweise sogar die Perspektive des bösen Antagonisten einnahm, den man gerade deshalb nicht zu Gesicht bekam. Zudem bestach der Film durch eine eigentümlichen selbstironischen Charme, ohne deshalb bereits zur Komödie zu werden.

(Quelle: Wikipedia)

Guckt man sich den Film heutzutage an, denkt man als erstes wahrscheinlich: Oh mein Gott. Ein sehr günstiger B-Movie, mit einer Geschichte, die es nun doch schon 100 mal gegeben hat? Fünf Teenager gehen zum Feiern über die Ferien in eine einsame Hütte in den Bergen, die von einem bekannten angemietet wird – eine Bruchbude in der seit hunderten von Jahren keiner mehr gewesen zu sein scheint, und die deshalb für einen Spottpreis überlassen wird. So las ich in einer Kritik zum Remake:

Junge Leute, Waldhütte, Dämonen, oh my.
[…]
Es fühlt sich weird an, ein Jahr nach Cabin in the Woods einen Film zu sehen der so brav alle Tropen des Genres abkaspert […]

(Quelle: Fünf Filmfreunde)

Was dabei vergessen wird ist das The Evil Dead diese Story geprägt hat. Alle weiteren Filme des Horror-Genres haben sich oft der Grundidee dieses Filmes bedient, weswegen die Story heute so ausgelutscht ist – und Cabin in the Woods ist eher als eine Hommage an The Evil Dead zu verstehen, denn auch hier ist die satirische Horror-Geschichte in die Grundstory von The Evil Dead eingebettet.

Ungewöhnlich waren zu dieser Zeit die Splatter und Horroreffekte [Anm.: in The Evil Dead]. Somit waren einige Kinobesucher gar nicht begeistert und andere ahnten schon im voraus, dass dieser Film einfach nur Kult wird.
[…]
Viele weitere Horrorfilme orientierten sich an das Meisterwerk von Sam Raimi. Was heute in Horrorfilmen längst langweiliges Klischee ist, wurde zuerst bei Tanz der Teufel gezeigt, darüber hinaus entstand dieser Film mit einem minimalen Budget.

(Quelle: Kleopas)

Tanz der Teufel besitzt eine für ein B-Movie sehr dichte, atmosphärische Machart. Stilistisch auffällig sind die in der zweiten Hälfte gehäuft auftretenden Reminiszenzen an englische Gruselklassiker der 1960er Jahre, wie etwa den ständig überall umherwabernden Nebel. Stilbildend wirkte die von Raimi erfundene und hier erstmals eingesetzte Methode der sogenannten Shakycam, bei der eine Kamera auf ein Brett geschnallt wurde, das anschließend von zwei Leuten an den Enden durch den Wald getragen wurde und dadurch ungewöhnliche, verwirrend subjektive Kamerafahrten ermöglichte.
[…]
Tanz der Teufel war […] einer der Filme, die die Diskussion über Gewaltfilme anheizten und schließlich zu einer Verschärfung der Mediengesetze in Deutschland und einem größeren Einfluss der BPjS führten. Danach brach eine Beschlagnahmungswelle los.
[…]
Er wurde wegen seiner drastischen Gewaltdarstellung in Deutschland beschlagnahmt und ist bis heute indiziert.

(Quelle: Wikipedia)

Es ist ein stattliches Erbe, dass Evil Dead da antritt, und besonders interessant ist, dass der eher unbekannte uruguayer Regisseur Federico ‘Fede’ Álvarez als Produzenten Samuel Marshall ‘Sam’ Raimi, den Regisseur von The Evil Dead, sowie Bruce Lorne Campbell, der Hauptrolle in The Evil Dead, als Produzenten des Remakes gewinnen konnte – also zwei der entscheidenden Macher des Originals. Schafft es das Team, an den Erfolg des alten Films anzuknüpfen, und das im Filmplakat gemachte Versprechen – “Der schokierendste Film, den Du jemals sehen wirst” – wahr zu machen?

Der schokierendste Film, den wir jemals sehen werden startet wieder erwarten nicht mit 5 Teenagern, die sich in einem Auto befinden, und eine verlassene Hütte ansteuern, sondern mit einer Vorgeschichte. Ein kleines Mädchen wird im Wald von zwei Männern angegriffen, ihr wird ein Sack über den Kopf gestülpt und sie wird verschleppt. Als ihr der Sack wieder abgenommen wird, befindet sie sich, gefesselt an einem Holzpfahl umringt von gruseligen, fremden Gestalten gegenüber ihres Vaters wieder. Dieser erklärt ihr zwar, dass er sie liebt – dies hält ihn allerdings nicht davon ab, der mystischen Frau in dem Raum, die ihm den Befehl erteilt, sie endlich zu verbrennen, folge zu leisten. Es stellt sich heraus: Das Mädchen ist tatsächlich vom Bösen besessen gewesen und verflucht die Anwesenden brennend im Sterben mit einer dämonischen Stimme noch obszön und verspricht wieder zu kehren.

Es ist eben jene Hütte in dessen Keller dies stattfindet, die von den 5 Teenagern David, Eric, Mia, Natalie und Olivia Jahre später angesteuert wird. Aber nicht etwa, um Urlaub zu machen – zwischen David und Eric, alten Freunden, scheint ein Streit zu herrschen. Beim Wiedertreffen an der Hütte (die 5 Reisen in zwei Gruppen an) gibt es statt freudiger Begrüßung Gemecker um die Verspätung. Am Ende dieser “Begrüßung” sagt David noch “Sie ist hinterm Haus”. Eric versteht, und trifft hinter dem Haus auf seine drogensüchtige Schwester Mia. Im Laufe der Geschichte wird klar: Die fünf Freunde haben sich nach dem Tod von Erics und Mias Mutter getrennt – während Eric der das ganze wohl nicht aushielt und alle im Stich lies, war Mia es, die sich täglich um die im sterben liegende Mutter kümmerte; wahrscheinlich der Grund für ihre Drogenabhängigkeit. Die Zeit in der Hütte sieht Eric als Möglichkeit, sich wieder mit seiner Schwester zu versöhnen, die wiederum von den Drogen wegkommen möchte, weswegen sich die fünf Freunde in dieser Hütte befinden. Während es den drei Freunden von Mia darum geht, sie auch gegen ihren Willen endlich Clean zu bekommen, sieht Eric allerdings die Priorität darin, wieder gut mit seiner Schwester klar zu kommen, weswegen er den anderen nicht versprechen kann, sie auch gegen ihren Willen in der Hütte zu halten. Damit wird die Grundlage für ein starkes Spannungsverhältnis gegeben.

Wie im Original finden die fünf Freunde dann im gruseligen Keller der Hütte, der sich unter einer Falltür verbirgt und in dem sich ein scheußliches Ritual abgespielt haben muss, das Buch “Naturom Demonto”, das Buch der Toten, welches David in seinen Bann zieht. Im Buch findet er eine Beschwörungsformel, welche er – trotz Warnungen – liest und damit das Böse freisetzt. Wie im Original wird Mia dann im Wald von Bäumen angefallen und es kommt zur berühmten Vergewaltigungsszene (ja, der Baum tut dies) nach der Mia vom bösen besessen wird. Diese Besessenheit überträgt sich dann durch Verletzungen die Mia den anderen zufügt nach und nach auf die Freunde. Dabei ist das Verlassen des Ortes – ebenfalls wie im Original, dort aber wegen einer kaputten Brücke – nicht möglich, und so kommt es in der Nacht zu einem blutigen Gemetzel bei der am Ende nur eine Person überlebt.

Evil Dead ist eine gelungene Neuverfilmung des Klassikers. Was damals aufgrund der Technik und des geringen Budgets für amüsante Effekte gesorgt hatte, wird in Evil Dead vervollkommnend – statt Knetmasse-Effekten ist die Maske ist ordentlich gruselig, und viele Effekte scheinen sich an das Original anzulehnen. So fühlte ich mich gleich bei den Kamerafahrten durch den Wald auf das Haus zu an den Klassiker erinnert. Hier und da sind mir recht eigentümliche Kameraeinstellungen aufgefallen, etwa von schräg unten beim Öffnen einer Tür, was mir ebenfalls sehr gefiel und ein wenig was zur düsteren Atmosphäre beitrug. Und auch wenn die Geschichte in ihren Grundzügen doch abgeändert wurde – so heißen nicht einmal mehr die Personen wie im Original – gibt es viele wunderbare Anspielungen an das Original – etwa die Kette, die irgendwann als Totenkopf auf dem Boden liegt. Mit Anspielungen aus den Fortsetzungen (etwa der Selbstverstümmelung, um eine besessene Hand loszuwerden und das weitere Ausbreiten des Bösen im Körper aufzuhalten, oder das die Besessene im Keller ein für die Gruppe bedeutendes Schlafleid singt, um die anderen von ihrer Menschlichkeit zu überzeugen) zeigt Álvarez aber auch, dass er sich im gesamten Evil-Dead-Universum auskennt, und nicht nur einfach das Original-Drehbuch für sein Remake umgeschrieben hat. Trotz der Anlehnungen an die alte Reihe erlaubt sich Álvarez aber auch einige Twists. So ist das Buch, welches im Original verbrannt wird, um dem bösen Spuk ein Ende zu bereiten, im Remake Feuerresistent! Hier muss das Böse also auf andere Art und Weise gebannt werden.

Wie im Original ist der Film zwischen Splatter und Horror anzusiedeln. Während es hier und da ordentlich zur Sache geht, Gliedmaßen abgetrennt werden, und literweise Kunstblut verwendet wurden (ich las irgendwo, dass es ganze Lastwagenladungen Kunstblut waren, die vergossen wurden), gab es auch wunderbar “falsch” platzierte Schocker, soll heißen, dort wo man einen erwartet hatte, passierte dann doch nichts, dafür wurde dann ein paar Momente später – also nachdem sich die Erwartung und Anspannung gelöst hat – ein ordentlicher Schocker gesetzt. Doll geschockt wurde ich leider nicht, aber anhand dessen dass links und rechts von mir doch das ein oder andere mal zusammengezuckt wurde – und das obwohl ich mit Horror-Abgehärteten Kinofreunden unterwegs war – nehme ich an, dass ich wahrscheinlich einfach schon leider zu abgehärtet bin, bzw. in den letzten Monaten zu viele Horror Filme geguckt habe. Ich fand sie trotzdem wunderbar platziert.

Gute Maske, interessante Kameraeinstellungen, neue Rahmenhandlung, schöne Schocker, detailverliebte Hommagen und nette Twists. Guter Film?

Es sind mir doch einige Punkte negativ aufgefallen. Zunächst wäre da die Tatsache, dass ich es trotz einer nicht ganz so schlechten Schauspielleistung nicht eine Sekunde lang geglaubt habe, das Mia Heroinabhängig ist. Besonders nachdem es hieß, sie habe sogar eine Überdosis hinter sich, an der sie fast gestorben wäre, und dass sie keine zweite überleben würde. Dafür sieht sie einfach zu wohlbehütet und zu gesund aus. Auch die Entzugssymptome sind einfach nur schlecht gespielt und dargestellt – der an für sich sehr gelungene Twist wird hier zur Farce. Überhaupt, aus dem Thema hätte man sehr viel mehr herausholen können! Es ist eine schöne Idee, dass gerade die Drogensüchtige und durch Entzugserscheinungen durch Wahn geplagte als erstes angegriffen und besessen wird, ihr natürlich keiner glaubt, und ihr Wunsch, den Ort zu verlassen als bloßes Abbrechen der Maßnahme gewertet wird, was die Freunde nicht zulassen wollen. Allerdings wird aus diesem Twist nicht annähernd das heraus geholt, was heraus zu holen möglich gewesen wäre. Schade! Gerade bei dem sonst vorherrschendem Realismus der Szenen hat mich persönlich diese etwas lieblos gespielte und nicht ausgereizte Geschichte ein wenig gestört, auch wenn es dem Horror an für sich keinen Abbruch tut.
Das Schicksal nicht ausgebauter Ansätze trifft auch andere, neu hinzugekommene Elemente, etwa dem Hund “Opa”, der im Prinzip nur an zwei Stellen vorkommt und bei dem man sich ansonsten fragt, warum er eigentlich existiert. Meine einzige Erklärung hierfür: Im Film wird gesagt, dass es fünf Seelen bedarf und danach regne es Blut und “Er” kehre zurück. Es wunderte mich zunächst, dass es gegen Ende des Films tatsächlich Blut regnet, auch wenn doch nur vier Personen dem Bösen zum Opfer fielen. Erst der Hund komplettiert die fünf Seelen – was aber nirgends erwähnt wird und daher nur eine Vermutung meinerseits darstellt. Ein besesener Hund wäre überdies ein interessanter Gegner gewesen, und hätte die Geschichte ein wenig hinaus gezögert – eine Möglichkeit, die der Film hätte nutzen können, um das Spannungsverhältnis der Protagonisten ein wenig eskalieren zu lassen – denn auch das fand im weiteren Film kaum Verwendung.

Schade auch, dass einige der besten Szenen dieses Films für den Trailer verheizt wurden und der Film dadurch nicht mehr mit sonderlich vielen überraschend schrecklichen Szenen aufwarten konnte.

The Evil Dead tischte zu seiner Zeit mehr als ein Novum auf – sei es durch die Kameraführung, der drastischen Gewaltdarstellung, dem Splatter oder der eingesetzten Horroreffekte. Auch wenn ein Remake Inhaltlich nicht sonderlich anders sein kann, finden sich leider keine neuen Maßstäbe für die restlichen Aspekte. Die ein oder andere krasse Szene gab es – aber es war nichts, was man so noch nie gesehen hätte und das zukünftige Filme prägen wird.

Ein Meilenstein der Horrorgeschichte liefert dieser Film also leider nicht, und auch das Versprechen, dass es der schockiierendste Film den ich je sehen werde, sehe ich nicht eingehalten. Was nicht heißt, dass der Film schlecht sei – allerdings hätte ich meine Erwartungshaltung durch solche Versprechen nicht so stark beflügeln sollen. Es handelt sich nichts desto trotz um einen soliden Horror-Splatter-Film und um ein wirklich gutes und gelungenes Remake, das nur an einigen Stellen an der Glaubwürdigkeit der Protagonisten ein wenig Zweifel aufkommen lässt, was der Geschichte vielleicht einen kleinen, nicht aber dem  Horror Schaden zufügt. Die neue Rahmengeschichte passt wunderbar und liefert, wie bei anderen Remakes (etwa Halloween) eine Erklärung für etwas, das sonst nur zufällig zu passieren scheint. Der Stoff ist wunderbar umgesetzt und der Spagat zwischen Neuerungen einerseits, aber Originaltreue auf der anderen Seite gelingt vortrefflich und sollte auch Fans des alten Films eine Freude bereiten – dafür sorgen die vielen Anspielungen und Details auf das Original. Und als besonderes Schmankerl gibt es statt Abspannmusik die Tonbandaufnahmen des Original (die ja das eigentliche Böse hervorrufen – anders als in Evil Dead liest in The Evil Dead keiner die Beschwörungsformel vor, diese kommt vom Tonband!), und noch eine kleine Überraschung für alle, die sich wirklich den kompletten Abspann bis zum Schluss anschauen! Also: Sitzen bleiben im Kino!

Bewertung und Rahmendaten
Bewertung ★★★★
Bewertung in Worten Gut
Prädikat Kann man sich angucken!
Deutsche Titel Evil Dead
Original Titel Evil Dead
Originalsprache Englisch
Genre Evil Dead
Produktionsort USA
Erscheinungstermin 5. April 2013
Länge 92 Minuten
FSK 18
Regie Federico Álvarez
Drehbuch Federico Álvarez
Produktion
Musik Roque Baños López
Kamera Aaron Morton
Schnitt Bryan Shaw
Besetzung
Distributor
Produktionskosten $17 Mio. USD
Erwartetes Einspielergebnis $95 Mio. USD

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