“Ach, könnte ich doch endlich schlafen oder würde einfach wach… ” – fremd CD Rezension



Zeit, du böses Wesen. Dieser Artikel befindet sich nun schon fast ein halbes Jahr auf meiner Festplatte – fast komplett fertig war er, nur der Feinschliff, Lesekorrektur und Bebilderung und Querverweise fehlten. Leider beanspruchte mich das Leben dann aber an ganz anderen Fronten so sehr, dass ich erst jetzt dazu komme, ihn endlich zu veröffentlichen. Aber heute muss es sein, denn ab Donnerstag steht ja für mich dann sogar schon die nächste Rezension an, wenn ich endlich (und vorzeitig) die neue Single Eisige Wirklichkeit in den Händen halten darf! Hier also der längst überfällige Blogeintrag von vor etlichen Monaten:


Coverbild des fremd-Albums Am Freitag den 21. Oktober war es endlich soweit. Das lang ersehnte neue Studio-Album von ASP, fremd ist nun endlich über die Musikgeschäfte zu beziehen. Den treuen Fans hat ASP die CDs natürlich wie immer schon früher auf Reisen geschickt, und so kam meine CD und meine Vinyl-Platte schon am Montag an. Viel Zeit also, sich ein ausgiebiges Bild von der CD/Vinyl-Veröffentlichung und der Musik zu machen.

Erschienen ist das musikalische Kunstwerk, wie man es von ASP gewohnt ist, in verschiedenen Editionen. Zum einen in der, ich nenne sie jetzt mal sallop “abgespeckten” Version, welche als Standardversion ausgezeichnet wird. Es handelt sich hierbei um ein “Hardcover DigiPack” mit einem integriertem Booklet, das 28 Seiten stark ist, und die Songtexte so wie Bilder des neuen Artworks enthält. Die CD ist vorne in einem stabilen Plastiktray angebracht. Mehr kann ich zu dieser Version leider nicht sagen, denn ich habe mal wieder nur zur “Deluxe Ausgabe” gegriffen, in der das Herzblut von Asp gefolssen ist. Daneben habe ich mir allerdings auch die Vinyl-Platte geholt, denn auch diese fallen bei ASP eigentlich immer recht imposant aus und sind für mich als ASP Fan und Musiksammler ein immer noch einmal ein besonderes Schmankerl. Über beide Editionen, aber auch über die Musik selbst soll es also in diesem Beitrag gehen.

Kleiner Hinweis: Bitte bedenkt, dass dieser Blogeintrag auch ein wenig spoilernd wirken kann. Wer das Album noch nicht hat, aber sicher kaufen möchte, und das Werk selbst entdecken möchte, sollte vielleicht noch warten, mit dem Lesen – wer sich auf der anderen Seite nicht vorstellen kann, waurm er Geld für dieses Album ausgeben sollte, ist hier genau richtig (ich hoffe nämlich, dass ihr das nach der Lektüre dann tut :D). Natürlich gilt wie immer, dass ich mich über Kommentare und Anmerkungen von euch sehr freue. Schreibt mir wenn ihr das Album auch habt, oder euch die Rezension gefällt. Schreibt mir auch, wenn ihr anderer Meinung seid – und auch wenn ihr meine Rezension total kacke findet, dürft ihr dies gerne (dann aber bitte mit Begründungen) kundtun 😉

Fremder-Zyklus, Teil 1: fremd

Wie schon berichtet, haben ASP ihren ersten großen Zyklus, welcher die Band seit 1999 begleitet, 2007 abgeschlossen, und daraufhin noch mit ein paar zusätzlichen Veröffentlichungen vollendet. Die wohl wirklich abschließende Veröffentlichung, der komplette Zyklus in Form eines Earbooks (Die Wikipedia führt es unter Sonderanfertigungen) erschien dann anfang diesen Jahres – und dieses Jahr soll alsdann auch (nach einigen Komplikationen) endlich der Beginn eines komplett neuen großen Liederzyklus werden: Mit der Vorabsingle “Wechselbalg“, (siehe auch meine Rezension) wurde schon ein kleiner Vorgeschmack auf den Zyklus gegeben, und wie ich schon dort mit erstaunen feststellte, haben wir uns mit dem alten Zyklus wohl doch nicht komplett von der Figur des Schwarzen Schmetterlings verabschiedet. Dieser tritt implizit in der Single und auch mehr oder weniger implizit im Album wieder zum Vorschein – nicht nur in Form des Artworks, ziert doch schon ein neu gestalteter (und dadurch fremder) riesiger Schmetterling das Cover aller drei Veröffentlichungen. Aber auch in den Lyrics mischen sich zu neuen Zeilen auch die altbekanten Motive, wie der Kampf zwischen dem Protagonisten und dem Schmetterling, etc. Aber natürlich ist auch viel neues im neuen Album zu finden – diesesmal sogar nicht nur musikalisch und textlich!

Zunächst aber soll es um die Aufmachung der zwei limitierten Versionen des Albums gehen. Danach werde ich wie gewohnt im Detail auf die Musik eingehen, um dann vor dem abschließenden Fazit noch einige Worte zum Zyklus selbst, bzw. einigen Interpretationsansätze anzubringen.
Fangen wir, da ich im letzten Beitrag mit der Vinyl startete, diesmal mit der CD an.

Die fremd Deluxe Ausgabe

Ähnlich wie die abgespeckte Version ist auch die eigentliche Version gestaltet – aber natürlich um einiges größer und toller. So kommen die CDs (ja, es sind in dieser Ausgabe sogar ganze zwei CDs) ebenfalls in einer Hardcover-Hülle, aber im DigiBook-Format daher. Hardcover heißt in diesem zusammenhang übrigens, dass es sich um dicken und festen Karton handelt. Natürlich sind “normale” DigiBooks keine Softcover (zumindest nicht, wenn man an Softcover im Heftveröffentlichungs-Bereich denkt), sondern bestehen ebenfalls aus dickerer Pappe. Das Cover dieser Edition ist jedoch so dick und stabil, wie man es sonst nur von gebundenen Büchern kennt.

Die 'Buch-Ausgabe' des 'fremd' Albums

Auch erinnert die Aufmachung sehr stark einem Buch (welches ihr wohl den Spitznamen “Buchversion” unter den Fans eingebracht hat). So ist der Rücken des DigiBooks mit einem Stoff aus Leinen verstärkt, der Titel noch einmal in schwarzer Heißfolienprägung auf den schwarzen Leinen aufgebracht, so dass man ihn nur bei entsprechender Lichteinstrahlung als Reflektion lesen kann.

Der Buchrücken der 'Buch-Ausgabe'

Auf dem Cover prangert indes auf weißem Grund der Großteil eines Ausschnitts eines riesigen Schwarzer Schmetterling, wie wir ihn bisher noch nicht gesehen haben (sicherlich ist auch ein Grund, dass Timo Würtz den alten, man möchte fast Band-Designer sagen, für das Artwork zuständige Ingo ‘monozelle’ Römling ersetzt) – auch hier also: Fremde. Mit Auslassung an dem Schmetterling ist auch das Cover mit der von der Single schon bekannten Flügelstruktur von Pit Hammann überzogen, welche sich als Relief erhöht, und damit dem Album auch was für die Finger zum erfühlen gibt (neben dem Leinen natürlich). Im direkten vergleich zu “Wechselbalg” ist das Album-Relief aber weniger hoch, dafür sehr viel Filigraner. Die wenigen Tintenkleckse die das Cover noch zieren, sowie die Schlichtheit, mit der das Werk sich optisch präsentiert, geben dem ganzen einen zusätzlichen edlen Hauch. Auf der Rückseite findet sich natürlich das Tracklisting für beide CDs.

Das Tracklisting

Das erste was beim Aufschlagen des “Buches” wörtlich herausfällt, ist das Echtheitszertifikat. Ja, die “Deluxe”-Ausgabe ist limitiert. Höhere Limitierungen hat Asp versprochen, und sein Versprechen auch gehalten. Bei 7.000 Stück haben viele die Möglichkeit gehabt, auch noch einige Monate zu warten um sich ein wenig was anzusparen. 7.000 Stück ist definitiv mehr, als jede Auflage, die ASP bisher herausgebracht haben. 999 Stück ist der Standard, 3.999 war glaube ich die höchste Limitierung (und zwar in Form der Akoasma) – 240 wohl das Minimum (in Form der limitierten Varieté Obscur). Was ist natürlich noch schicker, als nur das Wissen um eine Limitierung? Natürlich, ein Aufdruck der Aufschluss darüber gibt, welche von den 7.000 Stück man denn hat. Und die Steigerung davon – die Handnummerierung – ja genau das hat Asp doch tatsächlich auf sich genommen. Und so prangert auf dem Zertifikat in einem kleinen Feldchen in der unteren Ecke bei mir die “1.083/7.000”, auf einer sonst weißen Karte, mit einem kleinen fremden schwarzen Schmetterling und einem Text. Überzogen ist diese Seite mit einer “Spotlackierung“, welche die Flügelstruktur nun auch auf das Papier bannt. Nicht ganz so haptisch, wie das Cover, aber dennoch sehr schick. Die Rückseite ziert einen tintenverschmierten, sehr müde und ausgemerzte dreinblickenden Asp – genau so stelle ich ihn mir nach dem Nummerieren und Signieren der 7.000 Zertifikate vor! 😉

Das Echtheitszertifikat - HANDNUMERIERT!

Haptisch ist übrigens auch die ansonsten schlicht schwarze CD mit weißem Aufdruck. Auch hier sorgt eine besondere Bedruckung für den Flügeleffekt und fügt sich somit artwork-technisch zu einem schönen Gesamtbild zusammen. Die Seiten des Booklet sind wieder zwischen Cover und Rückseite als kleines Büchlein eingebunden, und in einem, für ASP ebenfalls fremden druck – “rauh seidenmatt”, verrät mal wieder die Produktbeschreibung. Mit 40 Seiten wird dem Besitzer hier einiges mehr an neuen Bildern geboten, als in der abgespeckten Variante: Asp ist in schlichtschwarzem Gewand mit auffälliger Brosche, und Totenkopfring, umringt von Papier. Die Aufnahmen wirken düsterbedrohlich, ein Geschichtenschreiber, der all seine Erinnerungen zu Papier bringt, und umringt von den Seiten ist. Nach einigen Seiten wandelt sich das Bild dann – nun Trägt Asp eine Art Freddy-Krüger Handschuhe und bohrt sich die Enden dieser immer tiefer in den Kopf, und sieht dabei immer kaputter und tintenverschmierter aus. Verziert sind die wie Stahlstangen aussehenden Streben übrigens mit schwarzen Federn (und ich glaube gelesen zu haben, dass es sich tatsächlich um Federschäfte handelt) – und auf einem Bild hat Asp unglaubliche Ähnlichkeit mit Ralph Fiennes in seiner Rolle als Harry Potters wiedersacher Lord Voldemort. Insgesamt ist das Artwork sehr schön und wunderbar düster, was mir sehr gut gefällt. Etwas schade, aber nicht wirklich schlimm finde ich den nicht mehr ganz so stark vorhandenen Bezug zwischen Artwork und CD – ich denke da beispielsweise an “Aus der Tiefe” oder “Requiembryo“, oder eben “Zaubererbruder” wo die im Lied besungenen Szenerien im Booklet auch für das Auge aufbereitet wurden. Der sonst so gewohnte Abwechslungsreichtum ist ein wenig verloren gegangen – aber die CD ist dadurch wie gesagt, auch nicht minderschöner.

Das Echtheitszertifikat - die Rückseite - auch die Unterschrift offenbart sich nur im rechten Licht

Dafür liefert dieses Booklet mal wieder ein besonderes Novum, diesmal in Form des Arrangement der Seiten, sowie einer zusätzlichen Ebene. Zum Arrangement: Hier hatte ich im ersten Augenblick einen ziemlichen Schrecken. Kaum dass die ersten Bookletseiten umgeblättert waren, stand eine Seite auf dem Kopf. Natürlich dachte ich zuerst an einen Produktionsfehler und war ziemlich traurig. Erst nach und nach ging mir auf, dass dies eventuell absicht ist. Es war ja nicht so, dass ein komplettes Blatt falsch herum eingeheftet wurde, sondern nur eine Hand voll einzelner Seiten auf dem Kopf standen. Für aufklärung sorgt die schon angesprochene zusätzliche Ebene. Wer das Booklet nämlich im richtigen Licht betrachtet, erkennt, dass mit dem schon erwähnten “Spotlack” eine zusätzliche Druckebene hinzugekommen ist. So steht gleich auf der ersten Seite über den Rand der vier Seiten geschrieben:

Wie man -> es auch -> drehen und -> wenden mag

Im nicht so starkem Licht betrachtet sieht man diese Ebene, die auch schon so schöne Namen wie “Schimmerschrift”, “Schattenschrift” oder auch “Geisterschrift” bekommen hat, nicht. Und so hat man natürlich auch doppelt viel zu entdecken. Neben kleinen Bildchen, wie dem Schwarzen Schmetterling, verstecken sich auch Hinweise – Bezüge auf andere Werke, z.B.

Mein Herz erkennt Dich nimmer

Na, wer erkennt sie, die 'Schimmerschrift'?

Die unglaublich schöne Aufmachung, die einem eine Weile beschäftigt und ein wenig was zu entdecken gibt, die Bonus-CD und die Mühen die sich Asp gemacht hat, das Zertifikat zu nummerieren und zu signieren – allein schon das wären mir zu dem Preis von 38,-€ die fünf Sterne Wert. Ich hab mich nach längerem überlegen dann aber doch entschlossen, nur vier Sterne zu geben. Der Grund ist derjenige, dass ich eine gewisse Vergleichbarkeit gewährleisten möchte. ASP sind definitiv ein Maßstab für sich, und verglichen mit dem großteil aller anderen Veröffentlichungen durchgehend auf fünf Sternen zu sehen. Allerdings haben auch ASP mal aufwendigere und mal weniger aufwendigere Sachen veröffentlicht. Und wenn man die Veröffentlichungen betrachtet, dann stechen Sachen, wie die “Horror Vacui-Box” in ihrer Aufmachung und Ausstattung doch stärker raus, und sollten daher im Vergleich hervorgehoben sein.

Fazit bleibt aber: Eine unglaublich schöne und edle Veröffentlichung, im nicht ganz so fremden weiß (wenn man an die “Von Zaubererbrüdern” denkt) mit tollen Ideen und schönem Artwork.

★★★★

Die Doppel-Picture-Vinyl

Die Vinyl-Veröffentlichung
Eine weitere sehr schöne Veröffentlichung geschah mal wieder im Zuge einer Vinyl-Platte. Das komplette Album ist dabei auf zwei sehr schöne Picture-Platten aufgeteilt. Die Platten befinden sich in einem Standard Gatefold. Dieses hält, wie die anderen 3 Veröffentlichugnen wieder den fremden Schwarzen Schmetterling. Aber der Ausschnitt ist noch um einiges größer, was das Cover sehr schön macht. Beim Aufklappen begrüßt einem eine Doppelseite, mit ziemlich eng bedrucktem Text, und zwei Bildern aus dem Artwork. Die Platten befinden sich in bedruckten Inner-Sleeves aus Papier, wobei das erste Papersleeve schwarz gehalten ist, und vorne und hinten zwei Bilder des Artworks im schönen Großformat enthält, wobei das hintere ein wenig kleiner ist, da es sich den Platz mit den Credits teilen muss. Im Kontrast dazu ist die Vinyl-Platte weiß gehalten. Auf Seite A prangert wieder der bekannte Schmetterling. Die Rückseite der Platte ist dem Design der CD nachempfunden (natürlich ohne die fühlbare Flügelstruktur! 😉 ). Das Papersleeve der zweiten Platte ist in weiß gehalten. Auch hier ziert die eine Seite wieder ein wunderschönes Bild aus dem Artwork. Die Rückseit enthält den einzigen Songtext, der sich nicht im Inneren des Gatefolds befindet: Den Text zur Angstkathedrale, welches als Kalligramm natürlich auf ganz besodnere Weise gedruckt werden muss. Auch hier ist die Platte wieder entgegengesetzt gefärbt, also in Schwarz gehalten, und als Motiv ist das Foto von Asp zu sehen, das in der Deluxe Edition als Echtheitszertifikat dient. Auch hier ist die B-Seite wieder der CD nachempfunden.

Die Bedruckung der Inner Sleeves

Auf der Rückseite des Gatefolds befindet sich neben dem Tracklisting auch wieder eine Nummerierung: 331/500. Die 500 scheint im Wiederspruch mit dem Satz zu stehen, dass die Vinyl “Stricktly limited to 499 copies worldwide” sei. Asp klärte dies aber auf: So wurden tatsächlich 500 Stück prodziert, eine davon aber nie für den freien Markt, sondern für “Mumie”, also dem Plattenboss des Labels, Alex Storm – auf dessen Wunsch diese Vinyl-Ausgabe überhaupt erst entstanden ist. Sehr sympatisch, dass sich ein Plattenboss auch so sehr für die Musik seiner Bands interessiert. Können sich die Manager der großen Major-Labels sicherlich eine Scheibe von abschneiden, bei Trisol.

Die 'Bedruckung' der Picture Vinyl-Platten

Eine letzte Sache, die noch fehlt, ist eine weitere kleine Beigabe: Ein Poster, das sich im Format 90x60cm echt sehen kann und ein weiteres der Bilder aus dem Artwork in einem schönen großen überdimensionalem Bild wunderschön illustriert.

Das Foldout Poster

Insgesamt ist diese Vinyl-Veröffentlichung sehr schön. Die Drucke auf den Vinyl-Platten sind herrlich schön, und die Gestaltung der Innensleeves sind auch toll. Aber ein guter Reszendent findet immer etwas zu meckern, heißt es. Ich möchte jetzt nicht meckern, nur damit man von mir denkt ich sein ein guter Rezendent – aber eine Sache ist mir doch schmerzlich aufgefallen: Ich liebe die neuen düsteren schaurigschönen Bilder von Asp, und sie sind im Booklet der Deluxe-Edition natürlich schon sehr schön. Aber solche Bilder entfalten ihre wahre wirkung erst, wenn sie im Großformat gedruckt werden. Das macht auch die Requiembryo Vinyl Version zu einer unglaublich schönen Veröffentlichung – ganz ohne spezielle Picture-/Etching-Vinyl – das Booklet mit dem tollen, besonders großem Artwork, bei dem die Bilder einfach nur zum genießen sind. Das hätte ich mir für dieses tolle Artwork auch sehr gewünscht. Die Sleeves geben ja einen kleinen Vorgeschmack darauf, wie dies hätte aussehen und wirken können. Um so trauriger macht es mich, dass hier an einem Booklet gespart wurde. Dafür würde ich an dieser Stelle einen Stern abziehen. Ansonsten jedoch ist die Veröffentlichung echt schön, und für 37,-€ auch recht preiswert.

★★★★★

Die Rückseiten der bedruckten Inner Sleeves

Die Musik

Kommen wir nun zu dem Hauptteil dieser Veröffentlichung: Den Liedern. Mit nur 9 Songs gehört es zu den Alben von ASP mit den wenigsten Songs – jedes andere Album hat mindestens zwei Songs mehr. Dafür hat es mit einer durchschnittlichen Spielzeit/Song von ungefär 7,5 Minuten sicherlich auch die längsten Lieder. Besonders die “Angstkathedrale” in der “Cantgerbury Version”, “Unverwandt” und “The Mysterious Vanishing of the Foremar Family” schlagen hier mit Spielzeiten von 17:07, 10:23 und 9:07 ordentlich zu Buche, und relativiert dann auch die Anzahl der Songs wieder.

  1. A prayer for sanctuary [4:02]
    Mit einzelnen, aneinander gereihten Klaviernoten, wie wir es schon von “Schwarzer Schmetterling: Nekrolog” gewöhnt sind, wird das Album eingeleitet. Auch ein elektronisches “Hintergrundrauschen” ist wieder zu vernehmen – man könnte hier also sogar so weit gehen, und die Brücke zur aller ersten Veröffentlichung schlagen, an dessen “Nekrolog”-Version dieses Intro dann anknüpfen würde. Ein elektronsicher Beat begleitet von einem leisen Hintergrund-(Kinder?-)Chor, der ziemlich verzerrt “I hear voices of a stranger” singt, sorgen für eine düstere Atmosphäre, die dann von einem vordergründigen Männerchor weitergetragen wird, und mit dem Voranschreiten dann auch immer stärker elektrisch und härter wird, und dann nahtlos in ein hartes Gittarren und Schlagzeug-Rockstück mündet. Nachdem das Lied einen starken Spannungsbogen aufbaut, der sich vor allem in immer lauteren Schlagzeug, Gittarren und elektronischen Elementen äußert, endet es abruppt mit einem “echoing”, dass noch kurz nachhallt.

    Wer sich den Trailer angeguckt hat, der wird die Melodie natürlich sofort wiedererkannt haben. Der Trailer gibt also einen kleinen wenig Aufschluss darüber, wie sich der Song anfühlt. Mir persönlich gefällt der Song sehr gut, er hat was düsteres, erinnert an die alten Songs und hat mittem in Song einen schönen Stilbruch (von Elektronisch-Klavier zu stark Rockig). Sehr energisch. Als einzelnes Lied aber “zu kurz”, irgendwo. Hier könnte ich mir einen längeren Song (und weniger häufige Wiederholung des Refrains) gut vorstellen, was es dann sicherlich auch zu einem eigenen Song machen würde. Aber Es soll ja ein Intro sein, und als solches ist es sehr schön 😉

    Inhaltlich knüpft dieser Song definitiv an die Schmetterlingssaga an. Der Refrain:

    I hear voices of a stranger,
    I hear voices in my head, echoing

    erinnert sehr stark an die verstörenden Textstellen, den Erinnerungen eines Fremden, welche in “Aus der Tiefe” ihren Anfang nahmen und in “Requiembryo” fortgeführt wurden. Aber auch schon in der aller ersten Veröffentlichung zum Schwarzen Schmetterling geht es um die Stimme im Kopf. So heißt es beispielsweise in “Where do the Gods go”:

    I’m lying crying in my bed
    I hear your voices in my head

    Teile erinnern auch an Songs wie “Werben”, oder aber der “Beschwörung” des Schwarzen Schmetterlings, z.B.

    Stream thyself into my soul and flood it with thy yearnin,
    pour thy soul into my shell, erase my restless burning.

    Insgesamt sowohl textlich als auch musikalisch ein überzeugender Song, ein toller Opener, der noch ein wenig länger hätte sein können 😉
    ★★★★★

  2. Wechselbalg [5:54]
    Der Übergang vom “A Prayer for Sanctuary” passt sehr gut, und wirkt sehr natürlich. Zu Wechselbalg kann ich eigentlich ansonsten wenig neues sagen, daher bin ich so frei und Zitiere mich einfach einmal aus meinem letzten Blogeintrag:

    Wechselbalg kommt rockig-fetzig daher, und hat meiner Meinung nach starkes Ohrwurm-Potential. Melodisch fühle ich mich an einige alte Songs erinnert, ich kann aber weder genau fest machen, an welche, noch warum eigentlich genau. Ich denke, es hat auf sehr abstrakte Weise auch ein wenig was mit dem Song “Wer Sonst” gemeinsam. Lyrisch hat Asp hier einen Song geschaffen, der gewohnt verschlossen und mystisch bleibt, und daher interpretativ viel Spielraum bietet. So fallen mir in diesem Song weiterhin sehr viele Parallelen zum Schwarzen Schmetterling auf:

    Ich steige auf, du sinkst hinab […]
    Du hast dich den Kräften, die so an dir zerrten, doch mit aller Macht noch entgegengestellt, dich gewehrt und dagegen gestemmt.

    Die Textzeilen erinnern mich an den Kampf zwischen dem Schwarzen Schmetterling und dem Protagonisten – dieser wird hier auf eine abrechnende Art und Weise noch einmal aufgegriffen. Der Refrain ist der bekannte Satz, der die Single trägt und gleichzeitig die Brücke vom alten Zyklus zum neuen schlägt:

    Das Innerste geäußert und aufs Äußerste verinnerlicht. Ein Wechselbalg, die Welt getauscht und nun werden wir sehn.

    Schlüsselzeile für den Song bleibt meiner Meinung nach der Satz:

    Der Weg in die Freiheit blieb versperrt, denn dann bist du erwacht in der anderen Welt, so verkehrt, und so unendlich fremd.

    – wie passend zum Thema “Wechselbalg” und “Fremd”. Hat der Protagonist also dem Schwarzen Schmetterling nachgegeben? Oder es geschafft, ihm zu widerstehen? Egal welche der beiden Möglichkeiten man wählt – die Geschichte um den Schmetterling scheint tatsächlich geschrieben und abgeschlossen zu sein – das neue, die fremde Welt erwartet uns.

    Insgesamt denke ich, dass dieses Lied sehr Massentauglich ist, und sich bei vielen als Lieblingslied der Single und als Ohrwurm einnisten wird. Meiner Meinung nach ein sehr toller Song, der sich neben Hits wie “Wer sonst” gut einreiht. Auch inhaltlich sehr schöne Lyrics, der schön an das endgültige Ende des Schwarzen Schmetterlings anknüpft.

    ★★★★★

  3. Eisige Wirklichkeit [4:46]
    Man ärgert sich ja schon ein wenig, darüber, dass man die Single schon hat, und auch den Trailer mehrmals geguckt hat – zwei Lieder und noch kein neues Material! Aber die Ungedult wird mit dem dritten Song dann endlich gestillt: “Eisige Wirklichkeit” kommt mit ein wenig verspielten elektrischen Elementen daher, die von harten Gitarren und Schlagzeug unterstützt werden, und wird dann zur ersten Strophe hin sehr monoton – vordergründig ist das Wummern elektrischer Bässe zu hören, die Asps Gesang begleiten. Der Refrain wird dann wieder ein wenig melodischer und lädt zum Mitsingen ein – insgesamt passt die Musik sehr schön zum Text.

    So viele Jahre war dein Streben, all dein Tun und Worte Weben,
    auf ein großes, neues Leben in der Freiheit konzentriert.

    Auch hier könnte man wieder eine Verknüpfung zum Schwarzen Schmetterling sehen. Zunächst ist dort das Wörtchen “weben”, dass schon im Zusammenhang des ersten Zyklus oft eine wichtige Rolle spielte. Die Frage nach dem Scheitern wird schon im eigentlichen Ende des letzten Zyklus in “So viel Tiefer” gestellt, und auch dort spielt die “Kälte” eine wichtige Rolle. Sprechen wir hier also wieder vom Schwarzen Schmetterling? Das Booklet jedenfalls wirft die gleiche Frage auf, in “Schattenschrift” sind die Lyrics mit der Frage “Er ist zurück?” kommentiert. Das zugehörige Bild zeigt einen sehr düster dreinblickenden ASP, und auch hier weiß das richtige Licht ein weiteres Geheimnis zu entlüften: An seinem Gesicht prangert ein riesiger fremder Schmetterling.

    Insgesamt ist der Song sehr rockig, die Strophen ein wenig anstrengend (was ich hier garnicht negativ meine!) und passend zur Atmosphähre, die dieser Song schaffen soll. Gut gefällt mir auch (wie auch bei “A Prayer for Sanctuary”), dass es mit den elektronischen Elementen wieder an die Anfangstage von ASP anknüpft, wobei dieser Song eingeltich eine recht gute Mischung zwischen den Anfängen und den eher rock-lastigeren Tagen um “Aus der Tiefe” herum ist.
    ★★★★

  4. The Mysterious Vanishing of the Foremar Family [9:07]
    ASP können also nicht nur lange Lieder sondern auch lange Titel! Dieser Titel hat schon von Anfang an viele Fans neugierig gemacht, besonders da auch erwähnt wurde, dass es sich bei diesem Track um eine richtige “Gothic Novel” handeln wird. Wer jetzt “Gothic Novel?” fragen wird, für den hat Asp in Schattenschrift eine kleine Definition dazu gepackt, die ich jetzt nicht in gänze Zitieren möchte, daher verweise ich auf die Wikipedia. Der Titel verrät schon, dass es sich um das mysteriöse Verschwinden einer Familie handelt, und so schweift der Erzähler, der letzte, der die Wahrheit erzählen kann, in seiner Erzählung ruhig durch das alte verlassene und doch imposante Haus, einem reichen Manor, wie es scheint.

    Der Song ist sehr melodisch und ruhig, und enthält auch akutstische Instrumente – fast ein wenig folkig, so dass es gut an das “Zaubererbruder”-Album anknüpfen kann. Vor allem der Refrain lädt zum mitwippen ein, und erzeugt eine leicht positiv-melanchonische Stimmung. Die Instrumentalisierung ist während der Strophen sehr sparsam – so wird der Song lediglich von einem Hintergrundheulen des Windes und einer Gitarre eingeleitet. Im Zentrum steht hir ganz klar die Stimme von Asp. Erst nach ein paar Minuten wird es ein wenig Instrumentlastiger, hin zum Refrain. Lyrisch erwartet man eigentlich nichts schreckliches, da es sich scheinbar nur um die Beschreibung einer Szenerie und das Erzeugen der zugehörigen Atmosphäre zu handeln scheint. In den letzten Mintuen wird aber dennoch ein kleines, schauerhaftes Geheimis der Familie Foremar gelüftet:

    The only things found were remains
    of the poor chained unwanted cousin.
    He had been slightly insane.

    Eventuell handelt es sich bei dieser Stelle sogar um eine recht wichtige, auf die ich (danke an Whim, falls Du das hier liest) aufmerksam gemacht wurde, aber dazu später mehr.

    Der Song ist mit 9 Minuten wieder einer der längeren, aber er wirkt mit keiner Sekunde zu lang. Statt dessen wird man eingeladen, sich die beschriebene Szenerie zu erträumen und sich mit dem Erzähler darüber zu wundern, was hier wohl vorgefallen sein mag. Auch hier lässt sich der Refrain wieder sehr gut mitsingen und sorgt für ein bisschen Melanchonie.

    Ich hoffe bei diesem Song sehr um eine Fortsetzung – verspricht uns doch der Erzähler, dass er der einzige ist, der die gesamte Wahrheit kennt. Was also ist denn nun passiert? Ich denke, mit einer Auflösung können wir in den nächsten Alben rechnen – allerdings in ASP-typischer Manier ebenfalls sehr verschlüsselt, verschleiert und metaphernreich 😉

    Insgesmat belibt zu diesem Song zu sagen, dass er sehr schön ist, und nach dem doch härterem und schnelleren Anfang des Albums ein schöner Ruhepunkt.
    ★★★★

  5. Rücken an Rücken [5:34]

    Liebende Kinder, gebt fein acht, das keiner dieses mit euch macht…

    Mit einem bedrückendem hintergründigem elektrischen Surren wird dieser Song mit einem schauerlichen kleinen Gedicht eingeleitet. Schauerlich, da sehr hart gesprochen, von Asp himself – eine Warnung, an die Kehrseite der Liebe. Und darum geht es auch in dem Song. Zumindest vordergründig geht es um die Entfremdung zweier sich liebende, und untermauert wird dies mit der Schattenschrift “Mein Herz erkennt Dich nimmer”.

    Musikalisch handelt es sich um einen soliden Rocksong im typischen ASP-Gewand, sehr schön und eingängig, mit Ohrwurmträchtigen Refrain. Es ist kein besonders herausragender Song, wie ich finde, da er vielen Asp’schen Songs gleicht. Aber auch das soll keine negative Kritik sein. Ich mag den Song (auch wenn er nicht zu meinen Favoriten gehört).
    ★★★★★

  6. Angstkathedrale (Canterbury version) [17:07]
    Einen Vorgeschmack dessen, was uns die Angstkathedrale bringen wird, wurde uns schon in der “Amiens version” der Angstkathedrale auf der Single “Wechselbalg” geliefert. Vorgeschmack deshalb, weil die auf dem Album vorliegende “Canterbury version” noch einmal ganze 5 Minuten mehr auf die Uhr bringt. Bei der Single “Wechselbalg” habe ich mich ein wenig kritisch über die Länge geäußert. Aber nicht etwa der länge wegen, sondern vielmehr, weil der Anfang so monoton ist. Dies relativiert sich bei der Canterbury version ein wenig. Hinzugekommen sind einige Strophen, die man Anfangs noch garnicht so genau erkennt. So ist gleich die zweite Strophe, beginnend ab Zeile 5, neu. Dieser gehört noch zum ersten Teil des Songs (Quasi dem Langhaus der Kreuzbasiliska – siehe unten). Sehr viel stärker erweitert wurde dann aber der zweite Teil des Songs, nach dem Instrumentalteil. Hier gibt es ganze 16 Zeilen, in 3 Strophen, wobei sich eine Strophe wiederholt.

    Somit ist das Verhältnis zwischen dem anfänglichen monotonen Teil und dem sehr melodischen Endteil sehr viel Ausgewogener, nach 7 Minuten musikalischer Monotonie darf man sich dann über verbleibende 10 Minuten freuen, die wirklich sehr sehr schön sind.

    Ansonsten bleibt das Lied identisch mit der Amiens version. Daher möchte ich auch hier wieder meine alte Rezension zitieren, die sich zwar auf die Amiens version bezieht, aber für die Canterbury version mit oberen Änderungen ähnlich gut funktioniert. Wer sie also schon kennt, darf runterscrollen – scrollt aber nicht zu weit, ein wenig was möchte ich noch zu Hintergründen dieses Songs sagen.

    Mit einer stattlichen Länge von 12:05 (die angegebenen 13:13 müssen sind nach Asp ein (produktionsbedingter) Fehler sein) wartet der zweite Song auf. Angstkathedrale heißt er, und der Name ist Programm. Eingeleitet wird der Song durch ein fast 2 Minuten langes Instrumental-Intro, das auch aus der musikalischen Untermalung eines Horrorfilmes stammen könnte, langsam und düster leitet ein Keyboard mit Schlagzeug in das Lied ein – und vernimmt man nicht das Schlagen einer Glocke? Irgendwann wird es dann Gittarren-lastiger und schlussendlich setzt ein sehr sakraler Gesang ein, der die erste Strophe über sehr monoton und langsam ist. Mit einer länge von 5 Minuten ist er mir leider ein wenig zu lang und vor allem langsam.

    Die erste Strophe wird mit einer Instrumental-Einlage von der zweiten getrennt, die ebenfalls wieder fast 2 Minuten lang ist. Diese Einlage ist sehr viel schneller und sehr melodisch und schön und wird von einer Gitarre und einem Klavier getragen. Allein dieser Teil macht die vorherigen 5 Minuten wieder wett.

    Die zweite Strophe ist musikalisch und gesanglich wieder anders gehalten, wird sehr schön durch die Instrumente in einem fließenden Melodienwechsel mit änderdem Schlagzeugrythmus eingeleitet. Hier wird es jetzt schneller und rockiger und gleich in der ersten Zeile schon wird mit unglaublich tollen Lyrics aufgewartet:

    Ach, könnte ich doch endlich schlafen oder würde einfach wach.

    Einziges Manko – diese Strophe ist sehr kurz und schnell wieder zu Ende.

    Auch die dritte Strophe ist ähnlich toll, wie die zweite. Wieder sehr rockig, und direkt im Anschluss an die zweite, aber doch stilistisch auch wieder ein wenig anders. In der vierten Strophe, die dann aber auch nicht mehr so lang ist, wird stilistisch wieder zur ersten Strophe zurück gefunden. Besonders faszinierend finde ich hier die Übergänge in die einzelnen Stücke des Lieds. Auch wenn sich Rhythmus und Melodie stark ändern, gelingt dies doch in einer natürlichen, fließenden Bewegung.

    Auch wenn der Song Lyrisch meiner Meinung nach expliziter wird, als es noch bei “Wechselbalg” der Fall war, da man hier ja das Symbol der Kathedrale im Hinterkopf hat, ist es doch insgesamt sogar noch sehr viel offener und reicher an Metaphern, als Wechselbalg. Ein wenig fühle ich mich auch an das Gedicht Friedrich Schiller: Die Glocke erinnert – die Beschreibung “Monumental” von Seiten der Band kann man also durchaus unterstreichen.

    Insgesamt gesehen ist dieses Lied, gerade durch seinen düsteren und schweren Anfang sehr schwer zugänglich. Dennoch bietet es sehr viel Abwechslung und ist insgesamt ein sehr schönes Stück, dass sich wunderbar zu anderen “überlangen” Werken, wie “Requiem” oder “Ballade der Erweckung”, gesellt. Übrigens handelt es sich bei der Amiens version um eine etwas kürzere Variante des Songs, der auf dem Album erscheinen wird (ich nehme stark an, dass es dort dann tatsächlich die 13:13 sein werden). Auf der Vinyl-Single befindet sich eine noch kürzere Version des Songs, die nur 10:06 lang ist. Sobald ich diese ausgiebig hören konnte, werde ich den Teil hier erweitern.

    Ich finde, dass ich dem Musikwerk als gesamtes bei der Angstkathedrale in meiner letzten Rezension noch nicht so 100% gerecht geworden bin, denn hier handelt es sich, soweit ich weiß wieder um ein Novum für Asp. Dieser gibt sich ja immer sehr viel Mühe beim Schreiben seiner Songtexte, und versieht diese mit allerlei literarischen Spielereien, sei es in Wortspielen, der bewussten Benutzung von Sprache oder aber in dem Einhalten literarischer Versmaße. Viele fallen mir garnicht auf, da ich auf diesem Gebiet wenig bewandert bin und mein Gefühl für Sprache mich hier dann auch verlässt. Bei der Angstkathedrale jedoch handelt es sich ganz offensichtlich und augenscheinlich um ein Kalligramm also einem Text, der nicht nur einem literarischen Stil folgt, sondern auch in seiner Form ein bestimmtes, bildliches Muster annimmt. Deswegen ist die Angstkathedrale auch immer in den Grundriss einer Kathedrale eingelassen. In diesem zusammenhang machen auch die unterschiedlichen musikalischen Teile des Liedes sinn, und erschaffen ein unglaublich geniales Gesamtwerk:

    Der Grundriss beschreibt eine Kreuzbasilika, und die einzelnen Teile dieser sind Musikalisch voneinander abgehoben. So ist schon bei der Amiens version das Langhaus in dem monotonen Liedteil gehalten, während der melodische Part in das Querhaus eingelassen ist (also der Instrumentalteil und die Strophe, die mit “Ach könnte ich doch endlich schlafen” beginnt). Direkt nach dem Querhaus folgt im Chor der Kathedrale der zweite melodischere Teil (“Du reichtest den Erbauern so treu die Steine”). Und in der zusammenlaufenden Apsis dann endet das Stück mit der Melodie vom Anfang.

    Die Canterbury version nun hat aber zwei Querhäuser, und was macht ein Asp dann? Natürlich – auch hier sind die Strophen musikalisch an die Struktur des Gebäudes angepasst! So gibt es eine neue Strophe im ersten Querhaus, gehalten in der für die Querhäuser typischen Melodie. Zwischen den zwei Querhäusern kommt noch ein Stück verbindendes Langhaus, in ebenfalls ebenjener Melodie, und danach folgt, diesmal vor dem Chor (da vor dem zweiten Querhaus) die Chor-Melodie.

    Und habt ihr euch auch schon gefragt, wie Asp eigentlich zu den Namen für die beiden Versionen gekommen ist? Es handelt sich hierbei um die Ortschaften Amiens, Hauptstadt des französischen Département Somme, und der wahrscheinlich bekannteren Universitätsstadt Canterbury im südosten Englands. Und was haben diese beiden Städte gemeinsam? Richtig! Kathedralen! In Amiens steht der Notre Dame d’Amiens und in Canterbury die Cathedral of Christ Church. Und wenn man sich die Grundrisse anguckt, wird man sogar merken, dass sie sehr starke Ähnlichkeit mit denen aufweisen, die Asp jeweils als Zeichnung für das Kalligramm verwendet hat.

    Unter diesem Gesichtspunkt ist der Song unglaublich genial, und beweist einmal wieder, dass ASP ihre Songs nicht einfach so hinklatschen, sondern sehr viel Arbeit in den Songs steckt. Trotz des weiterhin langem Einstieg, den man nicht all zu häufig hintereiander hören kann, möchte ich bei dieser Version mit meiner alten Bewertung sogar noch einen Punkt hinauf gehen.
    ★★★★★

  7. Schön, schön, schön [4:56]
    Nach der Angstkathedrale leitet eine ruhige Grundmelodie in einen Song ein, der vom Gesang wieder ein wenig härter ist, und einen wirklich mitreißenden, einprägsamen und tollen Refrain hat. Insgesamt handelt es sich bei diesem Song um eines dass ein wenig ironisch ist und Kritk üben soll an der Szene (oder der Gesellschaft)? Aber ich weiß ehrlich gesagt, nicht so recht wie ich ihn deuten soll. Es gibt einige interessante Wortspiele, und natürlich gibt es, wie für ASP ebenfalls üblich, mehrere Ebenen auf denen der Text verstanden werden kann. Auf der einfachsten, der wörtlichen geht es nun also um einen Menschen, der einen anderen liebt (wahrscheinlich eine Frau), die wiederum nichts von ihm will, egal wie sehr er ihr den Hof macht. Auf dieser Ebene ist er fast schon ein wenig lächerlich, wenn man bedenkt was der Liebende tut. Andererseits sind auch sehr “harte” Teile dabei, wie z.B. das

    Schön, schön, schön,
    ich weiß ich hab Dich nicht verdient.

    Wer diese Gefühl kennt, weiß, dass es kein schönes ist, und nur in Destruktivität enden kann.

    Eine weitere Ebene, die ich mir eventuell vorstellen kann wäre eine Antwort auf all die Kritiker, die ASP auch in der Szene hat. Auch hier sind ASP irgendwo auch fremd, da sie eine besondere Stellung einnehmen und auch Farbe zu bekennen wissen, wie man spätensten seit der “WGT-Affäre” weiß (natürlich auch schon vorher, setzt man sich mal mit Texten wie ‘Ich bin ein wahrer Satan’ besser auseinander). Leider stößt das nicht überall auf Zustimmung. Daneben wird ASP oft vorgeworfen, sie seine kommerziell (wie kann das eine Band, die von ihrer Musik leben möchte, eigentlich nicht sein?!)

    In diesem Zusammenhang kann man den Song als Statement für alle diese Menschen sehen. Dass es um ASP geht, kann man vor allem aus der Zeile

    du bist das G, Punkt! Ich bin SP, Komma A.

    Dies kann auch eine kleine Spitze gegen alle gedeutet werden, die ASP weiterhin als Ah-Ess-Peh, und nicht als ASP (reimt sich auf Ast) sprechen? Asp hat mehrmals gesagt, dass er sich nicht verbiegen möchte, sondern seine Musik weiterhin so schreiben und produzieren möchte, wie er sie für richtig hält. Neben den Musikkonsumenten könnten auch Magazine oder die Charts gemeint sein

    Die meisten find ich schön, doch wär ich bald kastriert,
    blieb ich bei dir und spielte Spiele

    Auch wenn ich weiß, dass Asp diese Zeilen noch nie in einem Song genutzt hat, sind mir einige davon sehr bekannt vorgekommen. Nach einen kleinen wenig Recherche stieß ich im Buch Alexander F. Spreng: Horror Vacui. Liedtexte/Lyrics 1999-2007 auf die Antwort. Dort schreibt Asp zum Song “Teach me War”, dass es eine alternative zweite Strophe gegeben hätte, die dann aber doch für zu gewagt gehalten wurde:

    Hieltst mich an der kurzen Leine
    Und ich kroch auf allen Vieren […]

    (Die gesamte Strophe findet ihr im Buch 😉 Ich kann es nur sehr empfehlen).

    Mehr weiß ich in diesem Lied aber leider nicht heraus zu lesen – Textlich finde ich mich nicht sonderlich wieder. Falls mir hier jemand helfen möchte, könnt ihr dies gerne in den Kommentaren tun. Trotzdem ist der Song unglaublich toll, und ich höre ihn sehr sehr gerne – einer meiner liebsten Songs auf diesem Album.
    ★★★★★

  8. FremdkörPerson, erstens [5:08]
    Leicht folk-rockig kommt nach dem vorherigen Rockstück der nächste Song daher. Vor allem Flöte und eine akustische Gittarre tragen das Lied, welches in den Strophen von harten Gitarren und Schlagzeug begleitet werden. Textlich handelt es von der eigenen Entfremdung, in der der Sänger beschreibt, wie fremd er sich in seinem eigenen Körper fühlt. Diese Fremde jedoch scheint durch das gesellschaftliche Umfeld erzwungen.

    Du fügst dich falsch ein!
    Du bist so fremd hier!
    Kannst du du selbst sein?
    Und bist du ganz bei dir!?

    Der Song ist sehr rockig, und läd zum mitsingen ein, und in seiner Mischung aus Folk-Rock und härterem Rock ein doch recht schönes Stück. Textlich gefällt er mir wirklich sehr gut, passt er doch ziemlich gut auf viele meiner Lebenssituationen, weswegen ich mich hier besonders gut wieder finde. Für mich wird er vor allem durch die wunderbare Verknüpfung aus alten und neuen Stilen, die ASP sich über die Jahre angeeignet hat, im Zusammenspiel mit den unglaublich tollen Lyrics zu einem der besten Songs auf dieser Veröffentlichung.
    ★★★★★

  9. Unverwandt [10:23]
    Und damit wären wir dann auch schon beim letzten Stück dieses Albums, welches sich in eine Riege von unglaublich guten Final-Songs einnzureihen versucht. Ja, die letzten Songs auf den Alben haben sich in der Vergangenheit immer als die wahren Meisterwerke des gesammten Albums entpuppt und waren oft mit meine liebsten Stücke. Resümierend wurde das gehörte noch einmal verarbeitet, oft fanden sich mehrere Melodien oder musikalische Themen aus den vorherigen Songs in diesem letzten Stück verwoben, und auch textlich wird auf sie eingegangen. Und ab und an wurden sogar Ausblicke auf den ein oder anderen Song des kommenden Albums gewährt. Ruhig und Instrumental waren sie Ruhepunkt, Ende einer langen Reise und Ausblick zugleich. “Blinded”, “Fading away”, “Die Ruhe vor dem Sturm”, das “Spiegelauge-Quintett” und die “Offährte (Reprise)” sind unglaublich tolle Album Closer und führten einem noch einmal deutlich vor Augen, dass das Album in allen seinen Songs sehr durchdacht war und hier niemand sitzt der einfach nur ein paar Songs hinrotzt.

    “Unverwandt” bricht minimal ein wenig mit dieser Tradition, auch wenn auch er sehr ruhig ist, so fehlt mir ein kleinen wenig der Bezug zu den vorhergegangenen Lieder. Vor allem das Verweben der Melodien ist hier nicht mehr vorhanden, und so steht der Song eigentlich völlig für sich. Allerdings findet hier wieder eine vermischung einiger Stile statt. So ist der Song von einem monotonen elektronsichem Ton hinterlegt, dafür aber sehr melodisch und auch wieder ein wenig folkig (vor allem durch die Geige) und zum Refrain hin dann rockig. Im einzelnen jeder Teil für sich typisch ASP, als gesamtes aber auch irgendwie sehr fremd. Naja, wahrscheinlich kommt hier alles von ASP zusammen, was es die letzten Jahre ausgemacht hat.

    Textlich berührt mich dieser Song wirklich sehr, und ich kann mich auf vielen Ebenen wiederfinden. Neben der Fremdheit die hier wieder thematisiert wird, finde ich vor allem auch Aspekte zum Thema “Burnout” wieder, wie ich sie auch selbst schon erlebt habe. Eine Brücke schlägt eventuell der Refrain zum alten Zyklus:

    Ich warte auf Entzündung.
    Oh, bitte gib mir odch
    das alte Feuer!
    Dieses Feuer
    zurück!

    Ich fühle mich hier ganz stark an “Ich will brennen” erinnert, und sehe jemanden, der quasi gebrannt hat und auf der Spitze seines schaffens war, und nun folgt der Absturz, nurnoch Asche, und der Wunsch, zurück zu diesem Punkt an dem man gebrannt hat.

    Erstens denk ich “nicht schon wieder”, zweitens prüf ich meine Glieder,
    drittens, wenngleich schwach, ein Schmerz, ich nehme ihn in Kauf.
    […]
    so kriecht das Gefühl zurück. Nun nimmt es wieder seinen Lauf,
    das alte Spiel, ich füge mich und schlag die Augen auf.

    Für einige Monate waren diese Zeilen an jedem Morgen so wahr für mich. Großartig beschrieben.
    Ich weiß garnicht so viel zu diesem Song zu sagen, außer dass er unglaublich toll ist, und mein absolutes Lieblingslied auf dieser Platte. Sowohl Textlich als auch Gesanglich und Musikalisch stimmt hier alles. Es ist total mitreißend und einfach nur schön. Und Geige ist sowieso immer sehr sehr toll! Dieser Song hätte sogar 6/5 verdient.
    ★★★★★()

Bonus CD

Asp wollte für diese Bonus CD seine Songs entgegen des Albumtitels nicht in fremde Hände geben, und daher haben er und Lutz Demler alle Remixes selbst erstellt. Ein schönes und sicherlich auch aufwendiges Unterfangen, wenn man gerade eh schon ein ganzes Album veröffentlicht hat.

  1. Wouldn’t it be good [4:48]
    Wenn man das Album durchgehört hat, und direkt im Anschluss die Bonus-CD einlegt, findet man einen sehr schön passenden Übergang zu diesem Song. Sehr rockig wird er vor allem durch Asps markante Stimme getragen. Die Musik sollte wahrscheinlich allen bekannt sein, es handelt sich hierbei nämlich um eine Cover Version eines Pop-Klassikers aus dem Jahre 1984. Jawohl, ihr lest richtig. ASP haben einen Pop Klassiker aus den 80gern gecovert. Als ich den Song das erste mal höre, war ich sprachlos (ja eigentlich war ja bekannt, dass es sich bei “Wouldn’t it be good” um ein Cover handeln wird – ich hab das aber irgendwie verdrängt, und so war die Überraschung gleich doppelt so groß!).

    Aber ich muss sagen, der Song passt wie die Faust aufs Auge zu ASP und gefällt mir sogar sehr viel besser als das Original von Nik Kershaw. Eine unglaublich tolle umsetzung, oder in den Worten der Zusammenkunft: “Original und Originell”!
    ★★★★★

  2. Wechselbalg (The Demmler Twins Remix) [5:56]
    Eingeleitet wird diesser Remix mit elektrischen Tönen die den Song etwas düsteres verleihen, und dann folgt ein (ich kann es nicht besser beschreiben) elektrischer Trommelwirbel, wie man ihn aus den Matrix-Soundtracks kennt. Insgesamt ist der Song mehr auf elektrische Bässe ausgelegt, und weniger melodisch als das Original – und auch weniger mitreißend.

    Er gibt dem Song Wechselbalg etwas schön ruhiges, sodass man ihn gerne auch mal abends nach einem anstrengenden Tag hören kann, und das lieber, als das Original, was ja mehr auf Rock ausgelegt ist. Insgesamt nicht schlecht, aber auch nichts herausragendes, daher würd ich ihn mit der soliden Mitte bewerten.
    ★★★★★

  3. Unverwandt (Some Tribute paid in the Reptile House) [7:09]
    Auch dieser Song ist ein wenig ruhiger, und verliert in diesem Remix quasi alles was er an besonderer Instrumentalisierung hatte. Dafür wird der Song jetzt von Asps starker Stimme getragen, was sehr schön ist.

    Dennoch ziehe ich den original Song dem Remix hier deutlich vor, denn all das, was mir an dem Song in der Originalversion so gefällt, geht hier irgendwie verloren.
    ★★★★★

  4. Angstkathedrale (Meditation Church) [16:08]
    Nun, was soll ich sagen? Nur wegen dieser Version der Angstkathedrale war ich lange am Überlegen, ob ich der Canterbury version einen Stern abziehe. Ich finde diese Version des Songs ist die absolute Vollendung! Mit der Amiens version konnte ich mich nicht so ganz anfreunden, da mir die Teile, die mir am meisten zusagten zu kurz waren, und der Anfang einfach zu monoton. Die Canterbury relativiert das ganze ein wenig, da das Ende ordentlich ausgebaut wurde (außerdem braucht der Song auch wirklich Zeit). Die Meditation Church nun nimmt dem Anfang die elektronsichen Elemente. Ich glaube die waren es, die mich im Song in den anderen zwei Fassungen für die Langhausmelodie am meisten gestört haben – dieses ständige gleichmäßige Wummern, im Hintergrund. Das ist hier zwar auch vorhanden, aber sehr viel ruhiger und unterschwelliger. Fast schon wie ein Herzschlag, der sehr langsam unregelmäßig schlägt. Insgesamt sorgt dies für eine sehr viel düstere Atmosphäre am Anfang des Songs, ist aber zugleich bizzar entspannend. Die ruhige, fast schon filigran-zarte melodische Untermalung harmoniert wunderbar mit dem Gesang, der nun auch viel erträglicher und schöner wirkt. Diese Version des Songs könnte ich immer wieder hören, sie macht sehr viel Spaß und ist mir meine Liebste unter den Angstkathedralen. Einfach großartig! Und das Geld was man mehr ausgegeben hat, um die limitierte Version zu besitzen holt allein dieser Song schon mehr als raus. Dazu dann noch das Cover am Anfang. Großartig!
    ★★★★★
  5. Wouldn’t it be good (Sicksicksick Maxi) [6:09]
    Klingt noch ein wenig düsterer, vor allem durch die hervorgehobenen Flüstergesangstellen und die elektrische Untermalung. Leider sind die Differenzen zum Original aber so minimal, dass man oft garnicht heraus hört (zumindest ich tu mich da schwer, und ich habe das Original mehrfach gehört), welche Version man denn jetzt hört.

    Insgesammt also würde es mir garnicht auffallen wäre dieser Remix nicht auf der Platte vorhanden – und das ist in meinen Augen ein ziemlich schlechtes Zeichen. Daher auch die eher negative Bewertung.
    ★★★★★

  6. The Mysterious Vanishing of the Formar Family (Asps Von Zaubererbrüder Fassung) feat. Ralph Müller & Ally the Fiddle [9:05]
    Von Zaubererbrüdern” ist die Live-Veröffentlichung die ASP zu ihrer Akustik Tour zur Zaubererbruder CD haben anfertigen lassen. Da das Zaubererbruder-Album sehr folkig ist, bot es sich an, hier ein richtiges Ensamble aufzustellen, und dieses besteht unter anderem aus den Freunden “Ally the Fiddle” und dem Gittarrenbauer “Ralph Müller“, welcher sogar für einen Song die Ehre gibt, und selbst auf einem seiner Instrumente spielt (leider nur für ein einziges Konzert der Tour).

    Für das misteriöse Verschwinden der Familie Formar hat Asp sich also nun zur Verstärkung diese beiden Künstler wieder mit ins Boot geholt, und gemeinsam spielen sie das Lied in einer Akustik-Version die wunderbar auf das Album “Von Zaubererbrüdern” gepasst hätte, ohne aufzufallen.

    Finde ich persönlich sehr sehr toll, die Idee. Und auch wenn das Original mir besser gefällt würde ich sagen, dass diese Version ganze 5 Sterne wert ist.

    Wer sich übrigens ein eigenes Bild davon machen möchte, wie diese Version klingen könnte, kann ja mal in den offiziellen Channel von ASP auf YouTube schauen. Dort hat der Meister tatsächlich eine ganze Menge Videos aus ihrer DVD/BluRay “Von Zaubererbrüdern” hochgeladen, z.B. Biotopia:

    Natürlich ist die vorliegende Version mit fehlen des halben Ensambles nicht ganz so instrumental und intensiv, aber trotzdem schön passend. Mein Song ist es zwar nicht, aber das tut dem ganzen keinen Abbruch!
    ★★★★★

  7. Ich will brennen (Metropolis-Video) [6:19]
    Neben den Bonus-Remixen beinhaltet die Bonus-CD auch zwei Konzertmitschnitte der besonderen Art. Der erste Konzertmittschnitt ist schon ein wenig älter, nämlich schon aus dem letzten Jahr. Hier durfte Asp auf einem Konzert von Subway to Sally auftreten und gemeinsam sangen Asp und Eric Fish den “Zaubererbruder”. Danach räumte Eric Fish sogar die Bühne und Asp durfte, ganz alleine mit der Subway to Sally Band “Ich will brennen” performen. Dieses einmalige Spektakel wurde aufgenommen, und befindet sich als besonderes Bonus-Schmankerl auf dieser CD.

    Ich glaube zu “Ich will brennen” muss ich garnicht mehr allzuviel sagen. Ein unglaublich energentischer Song, der wirklich alle mitreißt und dessen Titel die Zugabe-Rufe ersetzt hat – “Wir woll’n brennen” gröhlt die Masse, und bisher konnte ASP dann auch nicht drumherum diesen Song auch tatsächlich zu spielen.

    Unglaublich ungewohnt ist es dann, mit der Band von Subway to Sally, wo die Instrumennte dann neben Gitarren und Schlagzeug vor allem Streichinstrummente wie die Geige oder eine Drehleier sind, eben wieder “fremd”. Und auch Asp sieht mit seiner Kopfbedeckung (Besucher der “Von Zaubererbrüdern 2” wissen ja auch warum 😉 ) ungewohnt anders aus.

    Das Video beweist das Asp auch völlig ohne Band funktionieren könnte und das der Song in jeder Variante nicht nur rockt, sondern auch ganz fremdes Bühnenpublikum mitreißen kann! Eine wunderbare Videobeigabe!
    ★★★★★

  8. Wechselbalg [6:19]
    Dieses Jahr spielten ASP ausschließlich auf dem M’Era Luna, und aufgrund der neuen – bis dahin unbekannten – Bandaufstellung war das Konzert an für sich schon eine große Premiere. Eine weitere Premiere war die Live-Performance von der kurz vorher veröffentlichten CD Wechselbalg. Zum Song hab ich schon alles gesagt, der Auftritt war der allgemeinen Meinung nach irre gut, und ich ärgere mich tierisch, dass ich nicht dabei war.

    Auch von diesem Konzert kann man sich beim offiziellen YouTube ein eigenes Bild machen – haben ASP doch tatsächlich schon zwei Songs bei YouTube ausgekoppelt – in einem halben Jahr morgen wird es dann das gesamte Konzert auf DVD geben.
    ★★★★★

Deutungen

Ich habe ja ein paar Deutungsansätze versprochen, und auch wenn ich jetzt schon viel länger geworden bin, als ich eigentlich wollte, möchte ich diese hier noch erwähnen. Vordergründig ist natürlich klar, dass es sich, wie der Titel schon verrät, um “fremd” dreht, und so beschäftigen sich auch die Songs mit den verschiedensten Formen von Fremdheit – sei es das Gefühl von Fremnde, wenn man in den Spiegel schaut, das Entfremden von Freunden/Lebensgefährten, die Fremde die in einer Beziehung herrschen kann, oder aber die Fremde in der Gesellschaft. Aber wer ASP kennt, weiß, dass es auch eine zweite ebene gibt, die die Songs zu einer Geschichte verknüpft, und bei der es ein wenig mehr bedarf, als nur die Songs für sich zu hören. Im letzten Zyklus war es die Tragische Geschichte des Namenslosen Protagonisten in seinem Ringen mit dem Schwarze Schmetterling. Und nun bei fremd?

Schon während der Veröffentlichung von der “Wechselbalg”-Single habe ich mich gefragt, ob es wohl mit dem Schmetterling weiter gehen wird. Zu groß waren die bekannten Überschneidungen zum alten Werk von ASP. Da wäre der Kampf zwischen den beiden, also dem Protagonisten und dem Schwarzen Schmetterling, der im alten Zyklus eine zentrale Stellung einnahm – der Protagonist als Wirt hat den Schwarzen Schmetterling gerufen, und ihn gebeten, zu helfen, und erst zu spät gemerkt, dass keiner wirklich sein kann, während der andere ist, aber auch keiner ohne den anderen kann. Das ständige Auf- und Ab der beiden, auf dem Weg in eine bessere Zukunft, wird auch bei Wechselbalg durch die Stelle

Ich steige auf, du sinkst hinab
durch unsere zweisam tief geträumten Träume
[…]
Du hast dich den Kräften, die so an dir zerrten, doch mit aller Macht noch
entgegengestellt, dich gewehrt und dagegen gestemmt.

wieder hervorgerufen. Und die Zeilen

Das Innerste geäußert und aufs Äußerste verinnerlicht. Ein Wechselbalg,
die Welt getauscht und nun werden wir sehn.

bieten einen direkten Anknüpfungspunkt an das Ende des alten Zyklus. Dort heißt es im letzten Song, “So viel Tiefer”:

Bereust du nun, dass du den Weg gewagt
Und scheinbar nichts gewannst?
[…]
Vom Heil verflucht und unumwunden
Gibst du zu, es ist zu spät.
[…]
Derweil wirst du im Dunkel thronen,
Kalt und starr und sinnentleert.

Eigentlich ist die Frage nach “Wer hat eigentlich gewonnen/überlebt” hiermit ja offensichtlich geklärt, denn den Weg gewagt hat der Protagnist, durch das Portal der Augen, hin zum Land Weltunter, dem “realm of the black butterfly”. Aus der Tiefe besingt in “Me” und “Hunger” zum einen den Niedergang des Protagonisten und zum anderen den Aufstieg des Schwarzen Schmetterlings.

Artwork, Lyriks und Hinweise bestätigen die Annahme, dass der Schwarze Schmetterling überlebt hat, und es im folgenden Zyklus also weiter gehen wird. So haben wir also den Schwarzen Schmetterling, der nun in Besitz des Körpers des Protagonisten ist? Es scheint ganz so, denn die Textstellen welche Hinweise darauf geben, dass der Schwarze Schmetterling überlebt hat, und es weiter um ihn geht, sind reichlich vorhanden. Was aber ist mit dem Protagonisten geschehen? Ich wär davon ausgegangen, dass dieser gefangen im Schwarzen Schmetterling lebt, und man daher bestimmte Songs vielleicht auch aus seiner Sicht deuten könnte, z.B. FremdkörPerson, erstens, indem der Protagonist nun der Parasit in seinem eigenen Körper ist, einen Apperat, den er nicht mehr unter Kontrolle hat, da dieser vom Schmetterling gesteuert wird. Wenn man jetzt noch davon ausgeht, dass der Schwarze Schmetterling sein Ziel erreicht hat – die Übernahme des Wirtes, und die Freiheit, wie man aus “Eisige Wirklichkeit” entnehmen kann

So viele Jahre war dein Streben, all dein Tun und Worte Weben,
auf ein großes, neues Leben in der Freiheit konzentriert.
Nun bist du endlich obenauf, denn alles schien so gut gelaufen,
war es teuer nicht erkauft, wenn dich am Ende wieder friert?

– dann fragt man sich natürlich, warum der Schmetterling dann dennoch friert. Was ist hier schief gelaufen? Wieso hat die Übernahme des Wirtes nicht zu dem Ergebnis geführt, dass der Schmetterling sich gewünscht hat? Oder wird hier etwa wieder aus der Sicht des Protagonisten erzählt?

Zumindest die “Pavor Diurnus” und “Pavor Nocturnus” verraten, dass der Protagonist weiterhin in seinem Körper vorhanden ist.

Ich sehe mich Dinge tun, die ich nicht tun möchte. Ich sehe Menschen, die ich noch nie zuvor gesehen habe und die mir doch merkwürdig vertraut sind. […] Als äußerst beunruhigend empfide ich auch, in meinem Körper gefangen zu sein, während sich augenscheinlich ein anderer darin eingenistet hat und ich keinerlei Einfluss mehr auf seine Funktionen habe oder,[…] in meinem Körper nicht mehr, als ein Gast zu sein, eingesperrt in irgendeinem Verlies, das sich in den Kellergewölben meines Bauches verbirgt, […] vom neuen Besitzer zurückgedrängt und eingesperrt in ein trostloses Reservat.

Das grandiose Artwork von “Requiembryo” zeigt unter anderem Bilder einer fixierten Person, die an ein Bett gefesselt ist, und scheinbar von Spinnweben eingewebt wird. Auch ein vermoderndes Skelett, dass eingewebt ist wird gezeigt. Und in einem Bild entsteht der Eindruck, dass durchaus auch mehrere Personen dieses Schicksal erlitten haben könnten.

Die Angstkathedrale könnte dieser Ort sein, dort liegt der Protagonist

Auf Knien, die Hände im Rücken
gefesselt, Stirn auf dem Stein.

Damit wären die Songs größtenteils einer Geschichte zuordbar. “A prayer for Sanctuary” hab ich als Verknüpfungspunkt und Intro gesehen, in dem der Schmetterling eventuell noch mal, diesmal sehr viel düsterer heraufbeschworen wird. Und “The Mysterious Vanishing of the Foremar Family” hab ich als zusätzliche Geschichte gesehen (etwa wie z.B. die Geschichte um “Emma”, in Form des “Varieté Obscure”, die ja eng mit der Geschichte des Johann Salamander zusammenhängt, der sich auf “scheinbar Unerklärliches” spezialisiert hat, und der auch schon im “Varieté Obscure” nach einer scheinbar aufgelösten Person sucht). Whim brachte mich aber auf die Idee, diese Geschichte in den kompletten Zyklus mit einzubinden. Aufhänger ist hier zunächst das Offensichtliche was ich gerne übersehe: “A prayer for Sanctuary” und “The Vanishing” sind auf Englisch. Ein Weitere Verknüpfungspunkt sind folgende zwei Zitate (das erste aus “A prayer” das zweite aus “The Vanishing”):

thou shalt no longer live in chains or ever be imprisoned

The only things found were the remains
of the poor chained unwanted cousin.

In dem Song kommt auch die Zeile vor:

From below stairs there was babbling and buzzing.

Auch die “Stairs” sind ein wichtiges Motiv dass in einigen Schmetterlingssongs vorkam, zum Beispiel in “Welcome”:

Under every stair and around every corner,
Some shadows ar lurking. Watch out, let me warn ya.

Oder aber bei “Me”:

Under the staris and beyond your horizon,
Three lives a creature that wants to be free.

Eine Interpretationsidee kann also sein, dass hier alles startete? Der Schwarze Schmetterling derjenige, der den Protagonisten verlockte, diesen in eine Traumwelt, in die Welt des Schwarzen Schmetterlings entführte? Und während dieser dem Schmetterling verfiehl, wurde er irre, hörte Stimmen, tat Sachen, die er nicht tun wollte, und wurde von seinen Verwandten in den Kerker gesperrt, wo er starb?
Oder kam er hier zum leben, und verließ seinen Wirt, welcher als tote Hülle zurückblieb, während seine Seele gefangen ist, in der einer anderen, einer Fremden Person? Der Seele des Schwarzen Schmetterlings?
Dieses Stück scheint definitiv noch eine viel wichtigere Rolle zu spielen, als ich anfangs angenommen hatte…

Und das soll dann auch als Deutungsansätze reichen, denke ich. Denn letztendlich muss jeder seine eigenen Interpretationen und Zugänge zu den Texten finden. Für mich hat fremd, völlig abseits von offensichtlich lyrischer Aussage und impliziten Geschichtszusammenhängen eine ganz persönliche Bedeutung, da ich viele Ebenen des Sich-Fremd-Fühlens sehr gut am eigenen Leibe kenne. Und die Ebene des Verstehens, also die komplett persönliche, ist mir fast sogar am wichtigsten.

Gesamteindruck

ASP sind fremd geworden, im neuen “Fremder-Zyklus”. Und doch, gibt es noch so vieles bekanntes. Ein wenig enttäuscht bin ich darüber, dass es den Schwarzen Schmetterling nun doch weiter geben wird. Nicht weil ich ihn jemals doof gefunden hätte; im Gegenteil. Der Schwarze Schmetterling bedeutet mir persönlich unglaublich viel, und dass es ihn nicht mehr geben sollte, fand ich anfans sehr schade und verstimmte mich. Aber ich habe mich mit dem Gedanken angefreundet, und irgendwann sogar richtig große Lust auf etwas komplett neues bekommen. Bei “Zaubererbruder” haben ASP ja gezeigt, wie ein völlig anderer, völlig vom Schmetterling losgelöster Zyklus aussehen könnte. Das und die viele Wartezeit machte es natürlich irgendwo einfacher sich vom Schmetterling zu verabschieden – und die zwischengeschobene Double-Feature Single Wer Sonst? / Im Märchenland zeigte, das ASP auch ohne den Schwarzen Schmetterling möglich ist.

Das es jetzt ein fremder Schmetterling wird, macht mir natürlich auch ein wenig sorge im Bezug auf meinen liebgewonnenen Schmetterling. Andererseits bietet das neue Material, wie man in den Interpretationsansätzen sehen kann, sehr viel neues zu entdecken, was auch besonders viel Spaß macht, und was natürlich auch wieder irgendwo “typisch ASP” ist.

Es soll aber auch eigentlich garnicht so sehr um mögliche Interpretationen gehen. Im Vordergrund steht natürlich immernoch die Musik, und die ist. Nun ja, ebenfalls fremd. Ich kann es garnicht so genau benennen, aber alle mit denen ich gesprochen habe, finden das Album einfach anders (und nein, das waren nicht nur alles Leute seit Krabat 😉 ). fremd heißt natürlich nicht, dass es negativ ist, es bedeutet lediglich, dass man sich ein wenig umgewöhnen muss, dass man sich viel eher reinhören muss. Auch das Artwork ist anders – so ließ Asp schon im Forum fragen, ob es denn Zeit sei, für ein “weißes” Album (zwar war der Zusammenhang ein anderer – aber das Wortspiel ist denke ich durchaus auch gewollt gewesen). Auch die Bandkonstellation ist anders, und auch das hört man deutlich heraus. So ist ASP jetzt sehr viel gitarrenlastiger und dadurch “härter”. Der Name “fremd” ist also definitiv Programm.

Ist das jetzt schlecht? Nein, auf garkeinen Fall. Ich finde es schön, ASP neu zu entdecken, und dabei gleichzeitig so viel altes wieder zu finden. Ich habe das Gefühl, dass ASP sowohl in die Zukunft geschaut haben, als auch in die Vergangenheit. So ist der neuartige Sound von ASP oft auch nur eine Mischung aus alten Stilen. Eine Rückbesinnung auf die ersten Tage, in denen die Songs Elektro-Lastiger waren, gemischt mit den Rockigeren Elementen, die darauf folgten – und dazu eine Priese Folk, aus dem Zwischenalbum “Krabat”. All das zusammen, sowie lauter und härter im Sound durch die zusätzlichen Gitarren – das macht das neue ASP Album aus.

Ich kann mir vorstellen, dass einzelne Fans, besonders solche, die ASP nur seit Krabat kenne, sicherlich enttäuscht sein werden – nein ich weiß es sogar. So gibt es durchaus auch stimmen die bemängeln, dass es zu hart sei, zu rockig, zu elektronisch. Eingefleischte Fans der Musik, die auch die Entwicklung der Band mitverfolgt haben, werden sicherlich gefallen an diesem Album finden. Denn hier findet sich alles wieder, was ASP die letzten Jahre ausgemacht hat. Von den elektronsichen Anfangszeiten, zu dem härteren Rock, bis hin zu den sanften folkigen Klängen ist alles vertreten, und wir zu etwas völlig neuem, und doch auch furchtbar bekanntem, kombiniert.

Insgesamt würde ich sagen, dass das Album eine Kaufempfehlung verdient hat, und ich mich schon sehr auf das neue Album freue! Wenn ihr es euch zulegen wollt: Gebt euch einen Ruck und holt euch die limitierte Version – allein die Aufmachung ist ihr Geld wert – und einige der Songs auf der Bonus-CD möchte man auch nicht mehr missen, wenn man sie mal gehört hat! Bei der Vinyl hätte ich eine unbedingte Kaufempfehlung gegeben, wenn es zumindest noch ein schönes großformatiges Booklet, o.Ä. gäbe. So bliebt lediglich die zwei Papersleeves und das Poster als Extra. Und natürlich die schönen Bilder auf den Platten – diese kommen allerdings zu Kosten der Tonqualität auf die Scheibe. Insgesamt bleibt wohl zu sagen, nur für Sammler oder wirklich eingefleischte Fans geeignet!

Anzahl Songs (Standard/Limited/Vinyl) 9/9+8/9
Spieldauer (Standard/Limited/Vinyl) 66:56/128:45/66:56
Kosten (Standard/Limited/Vinyl) 15,97€/37,95€/36,95€
Musik, insgesamt ★★★★
Ausstattung (CD/Vinyl) ★★★★/★★★★★
Gesamteindruck (CD/Vinyl) ★★★★/★★★★
Kaufempfehlung: CD: Ja. Vinyl: Muss nicht sein.

One thought on ““Ach, könnte ich doch endlich schlafen oder würde einfach wach… ” – fremd CD Rezension

  1. Pingback: “Viele längst vergess’nen Geister… « ~ PygoscelisPapua ~

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