Thor


Das 'Gratis Comic Tag'-LogoAm 14.05.2011 war der deutschsprachige Gratis Comic Tag. Zu diesem Anlass wurden von 166 Comic-Händlern rund 300.000 Comics – aufgeteilt auf 44 Titel – in gesamt Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgeteilt. Je nach Regel der Einzelhändler durfte man unterschiedlich viele Comics gratis mitnehmen.

Ich habe es geschafft, eine beachtliche Menge an Comics zu ergattern und um mich für die Mühe und diesen Tag bei allen beteiligten zu bedanken, habe ich diese Blog-Reihe ins Leben gerufen. Mittels random.org habe ich eine relativ zufällige Reihenfolge ermittelt.

Mein zweites Heft ist: “Thor”

Über den Autor/Verlag

Das 'Marvel Comics'-Logo Spätestens nach den ganzen Comic-Verfilmungen sollte “Marvel Comics” eigentlich jedem ein Begriff sein. Seit 1939 produziert Marvel Comics von New York City aus einige der größten und bekanntesten Comics (damals noch unter dem Namen “Timely Publications”). Als Comic Verlag dieser Zeit sind Marvel Comics vor allem auf die Superhelden-Welle aufgesprungen und haben sich hierauf spezialisiert. Waren es zuerst noch halbwegs realistische Settings, wie der zweite Weltkrieg, in dem Helden wie Human Torch, Sub-Mariner, und Captain America (das Statussymbol für Amerika schlechtweg) vorkamen, die als das Team Invaders die amerikanischen Streitmächte im Kampf gegen die Nazis unterstützen, schaffte es Marvel Comics später, durch das Kreieren von Widersachern neuen Superhelden in eine moderne Welt einzuführen. Zunächst betritt eine weitere Gruppe von Superhelden die Leinwand – Die Fantastischen Vier. Bekanntester Einzel-Superheld ist wohl der Reporter “Peter Parker”, der durch den Spinnen-Biss einer radioaktiven Spinne zum Spiderman wird. In den 80er und 90er Jahren schafften dann die X-Men endlich den Durchbruch und gelten bis heute als die erfolgreichste Serie von Marvel Comics.

Die Superhelden des Marvel Universums
(Die Superhelden des Marvel Universe)

Schon früh hat Marvel Comics bemerkt, dass es nicht mehr reicht, nur Comics zu produzieren, und hat angefangen, seine Superhelden verfilmen zu lassen, bzw. selbst zu verfilmen. Anfangs wurde dabei von Marvel Comics noch nicht darauf geachtet, dass der Markenname “Marvel” mit dem Film assoziiert wird – so sind auch Filme wie Blade oder Conan der Barbar schon Helden aus dem Marvel-Universum. Mittlerweile ist allen Filmen, wie etwa X-Men, Spider-Man, Daredevil, Ghost Rider, oder Iron Man ein Logo vorangestellt, welches darauf aufmerksam macht, dass es sich um eine Marvel-Verfilmung handelt. Dabei nutzt Marvel Comics eine clevere Taktik: Statt neue Helden zu erfinden, greift Marvel Comics alte Helden wieder auf, verfilmt sie, und verhilft ihnen und den zugehörigen Comics zu neuem Glanz – ein Konzept, dass sich offenbar auszahlt. Nachdem nun also Helden, wie Daredevil, Ghostrider oder eben Iron Man so zu neuem Ruhm verholfen wurde, ist nun in diesem Jahr Thor auf der Leinwand. Auf Papier kämpft Thor schon seit 1962 auf Seiten von Marvel für Comic-Verkaufserlöse. Passend zum Film-Release setzt Marvel Comics nun auch in Deutschland eine Taktik ein, die sich in den USA schon ausgezahlt hat: Mit dem Gratis-Comic “Thor” macht Marvel Comics jetzt schon auf den Kinofilm und die dazugehörigen Comics aufmerksam.


(Marvel Comics – Intro für Kinofilme)

Ob sie damit Erfolg haben?

Das Heft

Cover: Thor (GCT 2011)Der Comic, der in Deutschland im Auftrag von Marvel Comics von Panini Comics gedruckt wird, hat 28 Seiten, wobei auch hier die (nicht vorhandene) heft-interne Seitennummerierung wohl schon beim Deckblatt anfängt, und damit auf 32 Seiten kommen müsste. Das Heft beheimatet genau eine Geschichte, wobei diese nicht nur den Superhelden Thor vorstellt, sondern neben ihm auch Iron Man auftreten lässt. Das hört sich zwar eigenartig an, ist aber für Marvel Comics gar nicht ungewöhnlich – unter der Heldengruppe The Avengers treten Thor und Iron Man schon länger, Seite an Seite neben weiteren Helden, auf. Der Comic selbst ist allerdings nur 23 Seiten lang. Eingeleitet wird das Heft nämlich mit einem Vorwort von Christian Endres, der neben dem Vorwort auch Rezensionen zum Film und die Charakterbeschreibung verfasst hat. Das sind nämlich weitere 3 Seiten, wobei sich die Rezensionen erst hinten im Comic befinden, und nach der Personenbeschreibung gleich der Comic auf Seite 3 losgeht. Auf der letzten Seite dann die zwei Rezensionen, einmal zum schon gelaufenen Film Thor und zum noch kommenden Film Captain America – The First Avenger. Die letzte Seite des Heftes nutzt Marvel/Panini dann für Werbung, die auf den beiden Umschlaginnenseiten und dem Rücken des Heftes fortgesetzt wird. 1 Seite Werbung entspricht 3% des Heftes, die 3 Seiten Zusatzinfos wiederum 10%. Die Geschichte selbst ist keinem anderen Heft entnommen, sondern wurde ursprünglich für den “Free Comic Book Day” in Amerika im Mai 2009 gezeichnet (dort erschienen unter dem Titel Fair Weather. Witzigerweise wurde er dort als Promotion für den anlaufenden Film “Iron-Man” verwendet, weswegen das Cover leicht verändert ist. Verantwortlich ist fast ein Dutzend Leute (Herausgeber, Chefredakteure, Produzenten, etc. werden aufgelistet) – die für den Comic wichtigen Personen sind die in der US-Comic-Szene relativ bekannte Perönlichkeiten:

Der Comic: Schöne Aussichten

Kommen wir also zur Geschichte: Nach einer recht netten Einführung der beiden Helden werden wir gleich in die das Geschehen eingeleitet. Ein Erzähler aus dem Off schildert zunächst aus Thors Sicht, wie dieser erlebt, das die Erde von eigenartigen Naturkatastrophen heimgesucht wird. Das was Thor irritiert: Selbst er, Gott des Donners und Herrscher über das Wetter, kann diesem nicht Einhalt gebieten.

Auch “Tony Stark”, alias “Iron Man” wird, allerdings auf eine andere Art, mit diesem Thema konfrontiert. Skrupellose Industrielle, die den Mond für die Superreichen bewohnbar machen wollen, suchen ihn auf, denn er soll als Rüstungsindustrieller versucht haben, das Wetter als Waffe zu nutzen. Das Projekt “Luna City” würde die Daten diesbezüglich gerne nutzen um “Terrarforming” zu betreiben, d.h. dem Mond eine Atmosphäre zu geben.

Da Thor dem Gegner allein nicht gewachsen ist, sucht er also Iron Man auf, und erfährt von ihm von der Ursache des Problems. Gemeinsam machen sie sich also auf dem Weg, den Gegner zu bekämpfen.

Die Geschichte hat wenig Tiefgang und auch wenige Dialoge. Viele Panels haben so gut wie keinen Text. Dafür jedoch ist die Variation der Panels schön. Gleich die erste Seite besteht aus nur einem großen Panel. Auf Seite zwei wird dann ein besonders großes Panorama geschaffen, dass sich über beide Seiten erstreckt. Abgewechselt wird dies durch Seiten mit vielen kleinen Panels, oft wenn es zu Gesprächssituationen kommt: Mal sind es ganz klassische Panel-Anordnungen, mal werden viele kleine Panels in ein großes gelegt, so das das große Panel die Gesamtsituation zeigt, während mit den kleinen Panels die Gesichtsausdrücke und Sprechblasen-Sequenzen dargestellt werden. Sehr schön auch z.B. Panels in denen man nur die Augen von Thor sieht, etc.

Der Zeichenstil ist ansonsten sehr grob und kantig, was manchmal ein wenig eigenartig wirkt. Gerade Frontalzeichnungen von Thors Gesicht wirken sehr komisch, da auch der Grad der Details bei Ganzkörper-Porträts stark abnimmt.

Hinzu kommt, dass die Mischung zwischen Thor und Iron Man generell ein wenig eigenartig ist: technisch modern meets mythologisch altmodisch. Was zeichnerisch eigenartig wirkt, ist aber vom Lettering schön gelöst, und findet in den Dialogen seine Vollendung. Die Dialoge zwischen Iron Man und Thor sind schön zu lesen, hier wird der Widerspruch der Charaktere mit Witz aufgegriffen. Das macht sich auf eine so kurze Geschichte sicherlich sehr gut – für längere Geschichten, oder gar ganze Serien könnte ich mir aber vorstellen, dass das Thema bald ausgelaugt ist.

Auch wenn die Story sehr flach und dadurch ein wenig unbefriedigend ist, schafft es der Erzähl- und Zeichenstil insgesamt zu unterhalten. Es handelt sich hierbei einfach um sehr leichte Kost, die leicht und schnell an einem Stück innerhalb von wenigen Minuten zu lesen ist. Es liefert schlussendlich alles, was man von einer Superhelden-Story dieser Art erwartet – kurzweilige Unterhaltung, von der man nicht all zuviel erwarten sollte, die aber definitiv dafür sorgt, dass die Zeit (z.B. Wartezeit am Bahnhof, Zugfahrten, etc.) schneller vergeht.

Ein eigenes Bild kann man sich über die amerikanische Leseprobe machen.

Das Zusatzmaterial

Die einleitenden Worte sind nett, nicht zu lang – eigentlich genau richtig. Auch die Werbung ist dezent gehalten. Im vorderen Umschlaginneren befindet sich ein kunstvolles Werbebild, dass nur darüber aufklärt, dass es jeden 3. Monat einen neuen Thor-Sonderband gibt. Auf der letzten Seite und dem hinteren Umschlaginneren wird kurz erklärt, welche unterschiedlichen Thor-Heftserien es gibt, und wodurch sie sich unterscheiden. Auf dem Heftrücken dann befinden sich hinweise auf andere, verwandte Heftserien.

Schön sind die zwei Rezensionen zu den Kinofilmen. Wer Freude an dem Comic hatte, wird es bestimmt interessieren, wann welcher Film laufen wird, und worum es in etwa geht. Die Kurzrezensionen (jeweils vielleicht eine halbe Heftseite lang) werden mit Szenen aus den Filmen geschmückt. Nett.

Fazit

Insgesamt lässt sich festhalten: Die Story ist kurzweilig und erhebt keinerlei intellektuellen Anspruch. Dafür aber liefert sie genau das, was man von einem Superhelden-Comic erwartet; nicht mehr nicht weniger. Die Mischung aus Thor und Iron Man sorgt für witzige Dialoge, der Zeichenstil ist nicht unbedingt der beste und missfällt mir an einigen Stellen doch sehr (z.B. bei den komisch aussehenden Gesichtern) – insgesamt wurde das Heft aber doch kunstvoll gestaltet. Viel neues bietet Thor allerdings auch nicht: Eine weitere Superhelden-Reihe.

Daher bewerte ich das Heft wie folgt:

Zeichenstil ★★★★★
Erzählstil ★★★★★
Story ★★★★★
Gesamteindruck ★★★★
Insgesamt ★★★★★

Es handelt sich also um eine solide Geschichte, mit der man nicht wirklich etwas verkehrt macht. Wenn man also mal am Bahnhof steht, und nach seichter Unterhaltung sucht, macht man mit dem Heftchen sicherlich nichts verkehrt. Wer Comics sammelt, und auch Wert auf sehr kunstvolle Zeichnungen und tiefgründige Geschichten legt, sollte aber vielleicht die Finger hiervon lassen. Die vorgestellten Hefte im Werbebereich liegen bei einem Seitenpreis von 9-12¢/Seite – die verwandten Comics auf der Rückseite teilweise sogar nur bei 5¢/Seite. Damit ist das Heft auch günstiger bis deutlich günstiger, als die Weisblechs-Hefte, was für die leichte Unterhaltung ebenfalls ein plus ist. Der Werbeteil ist übrigens sehr angemessen und informativ, da er sich auf Wesentliches beschränkt, und nicht, wie bei beispielsweise bei “Weisblechs Gratis Grusel Geisterstunde” auf mehreren Seiten das Gesamtprogramm auflistet – erzielt also auch insgesamt seine volle Wirkung.

Hier noch einmal eine Zusammenfassung der Rahmendaten:

Anzahl Seiten 28
Anzahl Geschichten 1, Exklusiv für den GCT in Amerika, 2009
ISBN des Hefts Nicht angegeben/vorhanden
Werbeseiten 1
Werbung/Gesamtseiten 3,5%
Sonstiges/Gesamtseiten 13%
Comic(s) aus Exklusivgeschichte
Insgesamt ★★★★★
Bewertung in Worten Durchschnittlich/Befriedigend
Kaufempfehlung Kann man sich mal angucken

Meine Bewertung (für die Gratis Comics)

Ich habe mir zu Beginn meiner Rezensionen einige Gedanken darüber gemacht, wie man die Comics am besten bewerten könnte, und habe die Ergebnisse dieses Prozesses hier niedergeschrieben, damit ihr meine Bewertung nachvollziehen könnt!

Dir gefällt meine Rezension? Weitere Comic-Rezensionen zu den Gratis Comic Tag – Heften werden nach und nach folgen. Schon veröffentlichte Rezensionen findest Du hier. Wenn Du mich unterstützen willst, schick mir doch Deine nicht mehr benötigten Gratis Comics? Ich werde sie dann ebenfalls in eine Rezension verwandeln. Auch über Kommentare freue ich mich sehr! 🙂

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