GCT: Bewertungskriterien


Das 'Gratis Comic Tag'-Logo Da ich gerade an der zweiten Rezension arbeite, und dieser ebenfalls einen Hinweis auf meine Bewertung anhängen möchte, dieser Hinweis nun doch aber recht lang geworden ist, und ich ihn aufgrund der Länge nicht in jeden Beitrag hinein kopieren möchte, habe ich mir vorgenommen ihn hiermit auszulagern. Damit kann ich in den Beiträgen auf diesen Beitrag verlinken und somit meinen Lesern, die erst später dazu stoßen, oder nur gezielte Rezensionen suchen, diesen Hinweis trotzdem vorzeigen.

Kommen wir also zu meinen Bewertungskriterien für die Gratis Comics vom GCT.

Meine Bewertungen (für die Gratis Comics)

Für die Gratis Comics habe ich folgende 4 Kategorien überlegt, die ich bewerten möchte:

  • Zeichenstil

    Die Zeichnungen sind im Comic etwas besonderes, und daher sollten sie auch als solche herüberkommen. Natürlich ist dieser Punkt auch ein wenig eine Geschmacksfrage. Ich versuche allerdings hier auch unabhängig von meinen eigenen Präferenzen eine Aussage über den Zeichenstil zu treffen. Positiv ist hier, wenn eine Symbiose zwischen Text/Geschichte und den Zeichnungen zu erkennen ist – die Panels also Stimmungsunterstreichend sind. Kunstvoll verspieltes und Detaill-Grad, sowie bewusst eingesetzte Techniken fallen hier ebenfalls positiv ins Gewicht. Negativ hingegen finde ich es wenn die Zeichnungen sehr Amateurhaft wirken, oder schlicht langweilig sind (Standard-Panels, keine Abwechslung, keine interessanten Perspektiven, etc).

  • Erzählstil
    Unter dem Erzählstil verstehe ich vor allem die Art und Weise wie die Geschichte erzählt wird. Schaft es der Autor, mich mit dem Comic zu begeistern? Will ich den Comic weiterlesen, bin ich interessiert? Dabei können verschiedene Methoden zum Ziel führen – Hauptsache ich möchte den Comic nicht gleich wieder weglegen, bzw. es zäh finden, ihn zu lesen und mir das Ende herbei zu sehnen (indem ich bspw. zähle, wie viele Seiten ich denn jetzt noch lesen muss, bis ich endlich durch bin).
  • Story
    Auch dieser Punkt ist eng verzahnt mit den vorherigen beiden. Bei der Story lasse ich vor allem die Idee und Kreativität der Geschichte einfließen. Comics bieten ungeahnte Möglichkeiten. Auch wenn Erzähl- und Zeichenstil gut sind, muss ich nicht den 20. Comic lesen, in dem eine Person von einem radioaktiven Tier gebissen wird, und dann die Eigenschaften dieses Tieres als Superkräfte annimmt. Wenn mich der Comic aber mit innovativen Ideen überrascht, dann punktet er hier definitiv.
  • Gesamteindruck
    All die Teile für sich betrachtet machen natürlich einen Comic noch nicht zu dem, was er ist – der Gesamteindruck versucht dies zu berücksichtigen. Hier fließen Faktoren hinein, wie z.B. die Länge (angemessen, zu lang, zu kurz), die Aufmachung insgesamt, etc.

    Bei den Gratis Comics bspw. können Exklusivgeschichten in diesem Bereich punkten. Auch kleine Zusätze – Einleitung in die Geschichte, Charaktervorstellung, angemessene Werbung, Zeichnervorstellung oder weitere Infos zur Comic-Reihe – all das soll in diesem Bewertungspunkt abgebildet werden. Natürlich kann das aber auch ins negative verkehren – immerhin soll der Comic in Vordergrund stehen und nicht etwa die Möglichkeit günstiger Verlagswerbung!

All diese einzelnen Faktoren werden dann noch mal im Arithmetischen Mittel zu einer Gesamtbewertung zusammengefasst, wobei ich mir das recht herausnehme, bei einer Komma-Zahl je nach Situation nach oben oder nach unten zu runden.

Die Sterne sind wie folgt zu verstehen (man kann sie auch als Schulnoten auffassen):

Sterne Schulnote In Worten Bedeutung
★★★★★ 1 Sehr gut Ich bin vollkommen begeistert – dieser Punkt hat mich komplett in seinen Bann gezogen. Unbedingte Kaufempfehlung.
★★★★ 2 Gut Eine wirklich gute Leistung, sollte man sich nicht entgehen lassen
★★★★★ 3 Befriedigend Befriedigend heißt für mich “in Ordnung” oder auch “durchschnittlich”. Das ist erst einmal nichts schlechtes. Es ist aber auch nicht so, dass ich sagen würde, dass hier etwas sehr gutes gemacht wurde. Eine Empfehlung kann ich nicht sicher aussprechen, es ist nichts, was man haben muss, es ist aber auch nichts, wovor man abraten sollte.
★★★★★ 4 Ausreichend Hier wurde die Kurve gerade noch so eben gekratzt. Vom Kauf würd ich eher abraten.
★★★★ 5 Mangelhaft Überzeugt mich in keiner Weise. Hier kann ich mit gutem Gewissen vom Kauf abraten
★★★★★ 6 Ungenügend Was ist denn hier passiert? Eine Solche Note hat mich nicht nur nicht in keiner weise Überzeugt, sondern mich zusätzlich auch noch verärgert (Mogelpackungen oder Betrug fallen in diese Kategorie)

Dir gefällt meine Rezension? Weitere Comic-Rezensionen zu den Gratis Comic Tag – Heften werden nach und nach folgen. Schon veröffentlichte Rezensionen findest Du hier. Wenn Du mich unterstützen willst, schick mir doch Deine nicht mehr benötigten Gratis Comics? Ich werde sie dann ebenfalls in eine Rezension verwandeln. Auch über Kommentare freue ich mich sehr! 🙂

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6 thoughts on “GCT: Bewertungskriterien

  1. Hiho
    Ein paar Fragen:

    Zeichenstil: Was sind Standard-Panels? Ab wann ist man kein Amateurzeichner mehr? Was ist wenn Details absichtlich fehlen und ein schlichter Stil gewählt wurde?

    Gesamteindruck: Angemessene Werbung? Ich finde Werbung in Comics immer störend. Gerade ist es spannend und du willst wissen wie es weiter geht, du blätterst um und bähm…. der neue Opel… selbst wenn da ein anderer Comic beworben wird, spannungsfördernd ist das nicht. Wie sieht also angemessen Werbung aus? (Glücklicherweise fällt das bei den meisten kleinen/Indie-Verlagen oder TPB kein Thema).

    Ansonsten bin ich mal gespannt was für Rezensionen noch kommen, und vor allem ob du danach noch weiter Comics/Graphic Novel lesen wirst. (Ich hätte eine “kleine” Liste mit Empfehlungen bzw. Titeln zu denen mich deine Meinung interessieren würde: 😀 )

    • Hallo Gangstergazelle 😉

      Danke für Deine Fragen. Der Zeichenstil ist immer ein wenig schwierig, und da ich mit den Comics jetzt ja quasi auch erst einmal Neuland betrete, besonders was das Rezensieren anbelangt, tu ich mich da auch noch ein wenig schwer und muss selbst viel vergleichen. Aber ich versuche mal auf Deine Fragen so gut es geht zu antworten. Und mich würde es auch sehr interessieren, wenn Du auch eigene Vorschläge/Verbesserungen hast, bzw. Sachen die ich noch nicht bedacht habe 🙂

      Als Standard-Panels würde ich alle jene Aufteilungen beschreiben, die sich auf ein festes Schema einstellen, d.h. jede Seite hat 3-4 Zeilen, und 1-3 Panels pro Seite, einen festen Rahmen drum, fertig. Dies ist dann ein Raster, und die Bilder darin werden ausgefüllt. Beispiele dafür wären, ohne zuviel vorweg nehmen zu wollen:

      Boule & Bill
      Monsieur Jean
      Tramp
      Die Schlümpfe

      Im Gegensatz dazu sehe ich beispielsweise:

      Utan & Artik
      Steam Noir
      Golden City
      Gestrüpp (aus den Weissblech Comics)

      Was diese Geschichten auszeichnet, ist, dass sie während sie die Geschichte erzählen, mit den Bildern spielen. Beim Gestrüpp beispielsweise, werden die Bilder zunehmend unruhiger angeordnet. Utan & Artik spielen mit mal eingerahmten, mal offenen Pannels. Bei Golden City ist, je nach Situation mal alles sehr geordnet, und dann wird damit wieder gebrochen. Beispielsweise gibt es eine Seite auf der viel Monolog stattfindet – statt dies in einer großen Blase zu tun, ziert die Seite mehrere sehr schmale Panoramen-Panels (wirklich nur ein Panel pro Zeile), welche den Fokus auf etwas ganz anderes (Szenerie, die sich draußen durch das Fenster abspielt) setzt, während die Sprechblase aus mehreren miteinander verbundenen Teilen durch die Seite schlängelt. Auf anderen Seiten sind die Panels nicht mehr gleichmäßige Rechtecke, sodass dezente schrägen entstehen. Auf einer Seite gibt es ein leicht dreieckigen Panel, der eine auftauchende Taucherin zeigt, die sich über die gesamte Seite zieht während die restlichen Panels quasi weiterhin gleichmäßig (die direkt anschließenden in dem Fall auch mit Schräge) durch die Seite laufen.

      Insgesamt geht es mir also darum, zu spüren, ob der Zeichner sich auch auf die Geschichte beim Zeichnen einlässt. Negativ bewerte ich es, wenn ich das Gefühl habe, dass das Raster der Panels quasi schon gegeben war, und der Zeichner dann versucht hat, dort seine Bilder hinein zu bekommen.

      Die Frage nach den Amateurzeichnern ist eine sehr schwierige. Ich habe beispielsweise ein Heft vorliegen, in denen Amateurzeichner gezeichnet haben – und das ist auch echt gut geworden. Natürlich ist die ein oder andere Geschichte nicht perfekt gezeichnet, aber insgesamt passt es. Auf der andern Seite habe ich ein Heft, wo eine Gruppe Zeichner für den Comic-Tag gezeichnet haben, und man hat das Gefühl, die Leute dort (welche zwar (Semi-)Professionell tätig sind) haben die Geschichten mal eben hingeklatscht – hier wirkt alles, nicht bewusst(!) unprofessionell. Daneben gibt es Geschichten, die ein wenig mit genau dieser Komponente spielen. “Die erstaunlichen Abenteuer von Herrn Hase” wirken sehr amateurhaft – wenig Details, Proportionen die nicht stimmig sind, etc. Aber man merkt hier, dass dies Absicht ist, dass es Teil der Intention des Künstlers ist. Absolut nicht mein Geschmack – aber so etwas würde ich nicht negativ bewerten, genau so wenig wie das Amateur-Heftchen. Wohl aber das unprofessionelle Heft.

      Bezüglich der Werbung: Ich habe die hier genannten Kriterien bewusst “GCT: Bewertungskriterien” genannt. Ich kann mir vorstellen, dass ich noch weitere Comics lesen werde, denn ich merke gerade, dass es eigentlich Spaß macht, und gerade, wenn man eh wenig Zeit hat, wie es bei mir oft der Fall ist, ist es schön, wenn man auch eben 15 Minuten lang in einem Comic blättern kann (die sind ja nicht sehr Zeitintensiv); bei diesen Comics würde ich dann ganz andere Bewertungskriterien heranziehen.

      Die Hefte vom Gratis Comic Tag wurden jedoch von Händlern, Verlagen und Zeichnern getragen und den Kunden kostenlos überreicht – hier finde ich es legitim, wenn der Zeichner oder der Verlag dann auch auf andere Comics aufmerksam macht, ein bisschen Werbung für sich macht. Was dabei Angemessen genau heißt ist auch wieder eine schwierige Sache. Ich hab mir überlegt, dass Quantitativ 20% zu viel sind – also alles unter 20% in Ordnung ist. Das sind je nach Umfang des Comics bis zu 4-5 Seiten, die der Zeichner, oder der Verlag nutzen kann. Schön ist es, wenn diese gesammelt sind. Beim Weissblech-Comic war nach jeder Geschichte eine Werbeseite, welche auf die Reihe aufmerksam machte, in der der Comic erschienen ist. So etwas finde ich z.B. sogar sehr wünschenswert.

      Angemessen heißt aber auch qualitativ, dass ich mir diesen Comic beim GCT ausgesucht habe, weil ich ihn interessant fand. Natürlich ist ein guter Comic allein die beste Werbung für das Produkt selbst – und primär interessiert mich natürlich der Comic, aber wenn ich ihn dann zu Ende gelesen habe, interessiert mich natürlich auch: Gibt es da noch mehr von? Der Marvel Comic zu Thor hat es beispielsweise ganz schön gemacht – auf den letzten Seiten gibt es 2 Seiten Hinweise auf die zugehörigen Comic-Verfilmungen (wenn mich Thor als Comic begeistert hat, dann möchte ich doch genau so etwas lesen?), und 2 weitere Seiten (wovon eine die Umschlaginnenseite war) auf denen erklärt wurde, welche Reihen zu Thor es gibt, und wie diese im Gesamtkontext zu sehen sind. Ich weiß danach also quasi wo ich weiterlesen möchte, und kann dadurch auch viel Zielgerichteter im Internet, oder aber (und das war ja mit Ziel der Aktion) im Einzelhandel nach den Comics fragen. Negativ find ich einen lieblosen Abdruck des Gesamtprogramms – ob nun als Liste, wie bei dem Weissblech-Comic, oder als Übersicht aller Cover, wie es einige andere Hefte getan haben – wie helfen mir denn Titel/Cover, zu entscheiden, welches Heft ich als nächstes lesen möchte, jetzt wo ich diesen neuen Comic kennen gelernt habe? Absolute Negativbeispiele waren dann aber schon mal benanntes, recht amateurhaftes Heft, welches mit 14 Seiten Werbung für einen Verein daher kommt (auf 48 Seiten, also gut 30% Werbung), oder – die absolute höhe – die Peanuts, bei denen auf 3 Seiten Comic jeweils 2 Seiten Werbung kommen (als Doppelseite, relativ uninformativ aber pompös gestaltet), somit also sogar 40% des Heftes aus Werbung besteht.

      So, das ist jetzt eine recht ausführliche Antwort geworden, ich hoffe, ich konnte Dir damit auch wirklich Deine Fragen beantworten?

      Ich bin sehr gespannt auf Deine Comic Empfehlungen, und ich werde auch sicherlich auch nach den GCT-Heften weitere Comics lesen. Ich hab mich schon mehrfach ertappt, wie ich nach Comics zu “The Goon” ausschau gehalten habe, was mir sehr gut gefallen hat. Und “Steam Noir” wäre auch etwas, das ich mir zulegen würde. Auch einigen anderen Comics wäre ich nicht abgeneigt – und ich hab doch erst 1/5 der Gratis Comics gelesen, wenn es hoch kommt…

  2. Ich glaub jetzt bekomm ich gleich nen Anfall…Ich tipp hier nen ewig langen Text, und nachdem ich auf “post Comment” klicke ist alles weg!? Me, oder? Das tipp ich jetzt nicht alles nochmal, jetzt muss ich mich erstmal wieder beruhigen…

    • Ohje. Das tut mir leid. Aber weder ich oder mein Blog hat den gefressen, so wie es scheint :/

      Ich verfasse meine Texte, egal ob für Foren, Blogs, Kommentare, etc. ja immer nurnoch in Texteditoren (zumindest dann, wenn sie lang werden, und ich das absehen kann) – hab auch schon das ein oder andere mal gehabt, dass dann eine Session ID abgelaufen ist, oder ich zwischenzeitig unbemerkt eine neue IP bekommen hab, etc. Sowas ist dann immer sehr ärgerlich :/

  3. o, jetzt nochmal ein Anlauf. Diesmal im Editor, sicher ist sicher. 🙂

    Diesmal aber nur die kurze Liste, naja ich versuche sie kurz zu halten.

    “Do Androids Dream of Electric Sheep?” Eine 1:1 Umsetzung des gleichnamigen Romans von Philip K. Dick – http://www.comicbookdb.com/title.php?ID=24452

    “Artesia” – Erwachsene Fantasy ohne Elfen, Zwerge und Schnick schnack – http://www.comicbookdb.com/title.php?ID=3928

    “Promethea” – Ich bin ein Alan More Fan, und das ist eines seiner schönsten und Anspruchvolsten Werke, mit fantastischen Zeichnungen von J.H. Williams III – http://www.comicbookdb.com/title.php?ID=216

    “12 Reasons Why I Love Her” – Auch erschienen auf deutsch beim Label Modern Tales (www.modern-tales.de) die eine wunderbare Auswahl an anderen GN und Comics übersetzt und publiziert haben – http://www.comicbookdb.com/title.php?ID=10370

    “Demo” – Vol. 1 auch bei Modern Tales, Vol. 2 zur Zeit nur im Original. So oder so etwas Besonderes. – http://www.comicbookdb.com/title.php?ID=572

    “V for Vendetta” – http://www.comicbookdb.com/title.php?ID=654
    “Watchmen” – http://www.comicbookdb.com/title.php?ID=28 – Zwei weitere Alan Moore Titel. Beide gut verfilmt, aber dennoch sind Vorlage und Film in ihrer Botschaft Grund verschieden

    “Y: The Last Man” – Ein weiterer Beweis dafür das gute Unterhaltung, das Medium Comic und Intelligenz/Anspruch sich nicht ausschließen – http://www.comicbookdb.com/title.php?ID=511

    So, das ist nur eine sehr kleine Liste, von eher US/UK Titeln, aber selbst damit wärst du schonmal eine Weile Beschäftigt. 🙂 Auch der europäische, orientalische und asiatische Comic bietet noch viel Gutes!

    Ich bin gespannt auf dein Feedback, und wenn du Fragen zu einzelnen Titeln hast, nur zu. 🙂

  4. Pingback: “Viele längst vergess’nen Geister… « ~ PygoscelisPapua ~

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