Weissblechs Gratis Grusel Geisterstunde


Das 'Gratis Comic Tag'-LogoAm 14.05.2011 war der deutschsprachige Gratis Comic Tag. Zu diesem Anlass wurden von 166 Comic-Händlern rund 300.000 Comics – aufgeteilt auf 44 Titel – in gesamt Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgeteilt. Je nach Regel der Einzelhändler durfte man unterschiedlich viele Comics gratis mitnehmen.

Ich habe es geschafft, eine beachtliche Menge an Comics zu ergattern und um mich für die Mühe und diesen Tag bei allen beteiligten zu bedanken, habe ich diese Blog-Reihe ins Leben gerufen. Mittels random.org habe ich eine relativ zufällige Reihenfolge ermittelt.

Mein erstes Heft ist: “Weissblechs Gratis Grusel Geisterstunde”.

Über den Autor/Verlag

Das 'Weissblech Comics'-LogoDer Weissblech Comics-Verlag beteiligt sich dieses, wie auch schon letztes Jahr, mit einem Heftchen am GCT. Der Comic umfasst 4 Geschichten, die allesamt hauptverantwortlich von Levin Kurio gezeichnet und/oder getextet wurden. Kurio ist auch Gründer des Verlags. Diesen hat er extra für seine ersten Werke, die “KOMA Comix” gegründet. Weissblech ist bekannt-verschrieen für seine “Schmuddel-Comics”. Waren die ersten Veröffentlichungen um die “KOMA Comix” noch eher eine Mischung aus Punk-Sauf-Geschichten, ging es dann später über zu Comic-Porno-Heftchen. Erst seit kurzem ist nun auch eine Horror-Serie dazu gestoßen, “Horror Schocker”. Einige Hefte erschienen unter dem Titel “Derber Trash” und dieser Titel ist bezeichnend für den Großteil des Sortiments.

Nicht desto trotz hat Weissblech Comics ein nobles Ziel: Es werden Independent Comics, die nicht auf Kommerz ausgelegt sind, produziert. Die Hefte sollen klein und bezahlbar und in sich abgeschlossen sein: Niemand soll 10 vergriffene Comics kaufen müssen um das aktuelle Heft zu verstehen und keiner muss Geld für das Folge-Heft ausgeben um das Ende des aktuellen Heftes lesen zu können. Es werden keine hohen künstlerischen oder lyrischen Ansprüche erhoben – die Comics sollen unterhalten, mehr nicht.

Der GCT-Comic ist eine Möglichkeit für Weissblech Comics, dies unter Beweis zu stellen

Das Heft

Das 'Gratis Comic Tag'-Logo
Eigentlich wollte ich die Comics so vorstellen, wie man es aus der Schule kennt – Inhaltsangabe, Stilanalyse und Fazit mit Bewertung. Es gibt allerdings vier verschiedene, abgeschlossene Geschichten, die vom Stil her doch sehr unterschiedlich sind – sodass ich mich dafür entschieden habe, hier mit meiner Tradition zu brechen, noch bevor ich sie überhaupt das erste Mal ausleben konnte. Ich werde hier also zunächst die vier Geschichten für sich vorstellen – jede bekommt ihre eigene Bewertung. Ist dies dann abgeschlossen, möchte ich noch eine abschließende Gesamtbewertung vornehmen.

Zunächst aber ein paar Rahmendaten: Das Heft besteht aus 28 Seiten, wobei die Seitennummerierung schon beim Deckblatt des Umschlages anfängt, und auf der Umschlagsrückseite endet: Somit kommt die hefteigene Zählung auf ganze 32 Seiten. Die vordere Umschlag-Innenseite wird neben dem Impressum für eine kleine Einleitung in den Comic genutzt, die Umschlag-Innenseite des Rückens für Werbung. Sowohl Titelblatt als auch Rücken sind speziell für dieses Heft gezeichnet. Von den 28 Seiten sind 5 Seiten Werbung, was 18% entspricht. Die Geschichten selbst stammen aus unterschiedlichen Comic-Reihen des Verlages und die letzte Geschichte ist ein exklusives Comic für den GCT, das diesen thematisiert.

Die Comic-Geschichten

  1. XYDOON spricht…
    Text: Levin Kurio, Zeichnungen/Farbe: Klaus Scherwinski, Lettern: Gunther Klippel
    Entnommen aus “WELTEN des SCHRECKENS #1”, 6 Seiten

    Bei dieser Geschichte handelt es sich um eine Art Science-Fiction Horror, welcher von zwei Astronauten erzählt. Eine Stimme aus dem Off erzählt, wie die beiden auf einem Planeten landen und diesen untersuchen.

    Auch wenn man weiß, dass irgendetwas passieren wird, weiß man bis zum Ende nicht, wohin sich die Geschichte hinbewegen wird. Einziges Manko ist, dass es mit 6 Seiten sehr schnell wieder zu Ende ist. Die Geschichte schafft es eine gewisse Spannung aufzubauen, auch wenn bis zum Schluss eigentlich so gut wie nichts passiert. Daher lässt sich ansonsten auch nicht sonderlich viel zur Geschichte erzählen, ohne zu viel zu verraten.

    Der Zeichenstil ist insgesamt ansprechend: Die Farbgebung ist atmosphärisch und unterstreichen die düstere Stimmung, die der Comic verströmt. Bewerten tue ich sie daher wie folgt:

    Zeichenstil ★★★★
    Erzählstil ★★★★
    Story ★★★★★
    Gesamteindruck ★★★★
    Insgesamt ★★★★
  2. Henker Einsam
    Text und Zeichnung: Levin Kurio
    Entnommen aus “HORRORSCHOCKER #25”, 5 Seiten

    Das Handwerk eines Henkers wird zwar von allen bejubelt, denn er ist derjenige, der den Menschen Gerechtigkeit bringt. Ansonsten aber ist der Henker ein Sonderling, ein Mensch mit dem man nicht viel zu tun haben möchte. Und so lebt der Henker in unserer Geschichte einsam und alleine – bis die Toten plötzlich mit ihm zu Sprechen anfangen…

    Die Geschichte besteht kaum aus Handlung sondern wird wie die vorherige Geschichte zum größten Teil vom Erzähler getragen. Anders als bei der ersten Geschichte gelingt es allerdings nicht, Spannung aufzubauen. Unter anderem wahrscheinlich auch deshalb, weil die Story gradlinig ist und mit keinen Überraschungen aufwarten kann. Insgesamt also ist der Erzählstil und die Story eher mau.

    Der Zeichenstil vom Comic ist sehr einfach und insgesamt langweilig gehalten. Auch die Farbgebung passt nicht zu der gruseligen Atmosphäre, den ein Comic aus der Reihe “Horrorschocker” doch eigentlich verströmen sollte. Technisch ist zwar wenig auszusetzen, aber insgesamt ist es halt nicht stimmig.Daher fällt mein Gesamt-Fazit eher negativ aus – insgesamt wäre dies kein Comic den ich mir gekauft hätte.

    Zu “Henker Einsam” gibt es bei Weissblech Comics übrigens die erste Seite als Leseprobe, für alle die sich ein eigenes Bild machen möchten.

    Zeichenstil ★★★
    Erzählstil ★★★★
    Story ★★★★★
    Gesamteindruck ★★★★★
    Insgesamt ★★★★★
  3. Gestrüpp
    Text: Kolja Schäfer und Levin Kurio, Zeichnungen: Kolja Schäfer
    Entnommen aus “WELTEN des SCHRECKENS #1”, 7 Seiten

    Der Trickbetrüger Jonny Harden ist geübt darin, Leute auszurauben. Bei dem bevorstehenden Raub einer alten Dame muss er diese töten und dann durch den Garten fliehen, der voller Gestrüpp ist…

    Die Geschichte ist spannend geschrieben – man erwartet die Pointe, die Auflösung, die über den langen Pfad, den der Protagonist in dem schier unüberwindlichen und nicht mehr enden wollenden Gestrüpp geschickt hinausgezögert wird. Tatsächlich kommt das Ende dann in einer Art und Weise, wie man sie sonst nur aus dem Fernseher von Serien wie X-Factor mit Jonathan Frakes kennt. Vom “Plot” ist sie aber dennoch recht simpel und gradlinig gehalten – und man erwartet diese Überraschung förmlich.

    Auch wenn der Zeichenstil nicht unbedingt meiner ist, so ist er doch deutlich besser als in der Geschichte davor. Die vielen groben Züge, und das intensive Spiel mit Schatten, Perspektiven und variierende Anordnung der Panels so wie das “Wilder-Werden” der Anordnung im Fortschreiten der Geschichte – immer in erdrückend schwarzen Rahmen – geben dem Comic die nötigende schwere die ein unbewusst beklemmendes Gefühl verursacht, dass man einem Horror-Comic abverlangen würde. Hier hat jemand ganz genau gewusst, wie er das Gefühl, dass der Comic vermitteln soll, auch zeichnerisch umgesetzt werden kann.

    Mein Gesamt-Fazit fällt hier also recht positiv aus: Die Geschichte ist solide, liest sich flüssig runter, baut wie die erste Geschichte recht geschickt Spannung auf, und wartet zum Schluss noch einmal mit einer Überraschung auf. Der Zeichenstil ist für den Zweck gut gewählt – trotz der bunten Farben. Insgesamt ist diese Geschichte meiner Meinung nach die beste in diesem Heft.

    Zeichenstil ★★★★
    Erzählstil ★★★★
    Story ★★★★★
    Gesamteindruck ★★★★
    Insgesamt ★★★★
  4. Gratis Gruseln die Geister…
    Text und Zeichnungen: Levin Kurio
    Exklusiv für den GCT, 5 Seiten

    Auf der Mitgliederversammlung der Gespenster- und Geister-Gesellschaft treffen sich die Gespenster und Geister und besprechen, wie sie aus der drohenden Pleite wieder herauskommen. Lizenzeinnahmen scheint das große Stichwort zu sein, und damit diese erfolgreich verkauft werden können, soll ein Gratis Grusel Tag ins Leben gerufen werden.

    Bei “Gratis Gruseln die Geister” handelt es sich um eine speziell für den Gratis Comic Tag geschriebenen Comic, und das ist etwas, das ich sehr toll finde, und dem Weissblech Comics hoch anrechne. Jeder kann ein Comic aus dem Standardprogramm auswählen und auf dem gegebenen Format ausdrucken – etwas exklusives zu erstellen ist ein wahres Geschenk und etwas besonderes für den GCT, und lässt sicherlich auch die Sammlerherzen höher schlagen.

    Schön ist, dass mit Witz einige aktuelle Themen (LOLcatz, Harry Potter oder Twilight) parodiert werden – schön ist auch die Selbstironie, mit welcher der Gratis Comic Tag ein wenig auf die Schippe genommen wird, und das ein geizig-gieriger Comicverleger sich einmischt.

    Insgesamt ist der Zeichenstil aber wie schon beim “Henker Einsam” nicht so wirklich meins. Auch die Art des Humors ist sehr einfach und flach gehalten. Unter der Kategorie “gehobener Trash” lässt sich dieser Comic wahrscheinlich gut einordnen, viel mehr ist er nicht. Dennoch möchte ich bei meiner Bewertung sowohl das Exklusive, als auch die Vielfältigkeit die diese Geschichte dem Gesamtpaket hinzufügt, positiv im Gesamteindruck einfließen lassen.

    Eine Kaufempfehlung gäbe es von mir jedoch nicht.

    Zeichenstil ★★★★★
    Erzählstil ★★★★
    Story ★★★★★
    Gesamteindruck ★★★★★
    Insgesamt ★★★★★

Fazit

Es ist schwer, den Comic in seiner Gesamtheit zu bewerten. Die vier Storys sind sehr unterschiedlich, sowohl im Zeichenstil als auch was die Story und Idee anbelangt. Während die erste und dritte Geschichte im Bereich befriedigend bis gut waren, schafft es die vierte Geschichte aufgrund des langweilig gradlinigen Erzählstils gerade auf ein mangelhaft. Im Schnitt der jeweiligen “Insgesamt”-Zusammenfassung der Sterne komme ich auf 12 Sterne auf 4 Geschichten, also insgesamt 3 Sterne, was ein befriedigend entspricht. Auch das Verhältnis zwischen Comic-Seiten und Werbung befindet sich mit 18% am oberen Ende.

Die Werbung verrät, dass das Standardheft einen ähnlichen Umfang hat (zwischen 32 bis 36 Seiten) und 3,90€ kostet – bei der Annahme, dass es auch dort ähnlich viel Werbung gibt und bei der Zählung der Umschlag mit nummeriert wird kommt man auf einen Preis von etwa 1,-€/Geschichte, oder aber 17¢/Seite. Überlegt man sich dass Kinderhefte wie etwas das Micky Maus Magazin mit 52 Seiten nur 2,30€ kostet dann kommt man auf den Seitenpreis von 4¢/Seite – nicht eingerechnet das Gimmik, das dazu kommt. Somit kommt das Heft insgesamt doch recht teuer daher. Nicht, das andere Comics so viel Günstiger sind. Wenn ich mir aber als Verlag das Ziel setzte, Billig-Comics zu vermarkten, dann finde ich 3,90€ für solch ein Heftchen, das sehr viel kleiner, und qualitativ nicht sonderlich hochwertiger ist, schon ein wenig happig. Auf der anderen Seite handelt es sich allerdings auch um ein Independent Comic, hinter dem keine so große Industrie wie hinter dem MMM steckt. Ich persönlich würde mir jedoch kein weiteres Heft kaufen, aber ich denke, dass das Heft durchaus auch seine Anhänger haben wird – guckt es euch also selbst einmal an.

Wer aber ein Freund von dieser Art von Comics ist, wird das Heft sicherlich lieb gewinnen – ist es doch für den Gratis Comic Tag speziell gestaltet und hat auch eine exklusive Geschichte. Insgesamt hat man sich sehr viel Mühe gegeben, beim Weissblech Comics und das sollte nicht unerwähnt bleiben. Dankeschön, dafür!

Zusammenfassung:

Anzahl Seiten 28
Anzahl Geschichten 4, davon eine Exklusiv für den GCT
ISBN des Hefts 978-3-86959-915-8
Werbeseiten 5
Werbung/Gesamtseiten 18%
Comic(s) aus WELTEN des SCHRECKENS #1, 68 Seiten, farbig, geheftet, 16,8×24,3 cm, Softcover, ISBN 978-3-86959-007-3; Preis: 7,80€
HORRORSCHOCKER #25, 36 Seiten, farbig, geheftet, 16,8×24,3 cm, Umschlag, ISSN 1860-983X; Preis: 3,90€
HORRORSCHOCKER #24, 36 Seiten, farbig, geheftet, 16,8×24,3 cm, Umschlag, ISSN 1860-983X; Preis: 3,90€
Insgesamt ★★★★★
Bewertung in Worten Durchschnittlich/Befriedigend
Kaufempfehlung Ich würd’s mir nicht kaufen

Meine Bewertung (für die Gratis Comics)

Ich habe mir zu Beginn meiner Rezensionen einige Gedanken darüber gemacht, wie man die Comics am besten bewerten könnte, und habe die Ergebnisse dieses Prozesses hier niedergeschrieben, damit ihr meine Bewertung nachvollziehen könnt!

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