Filmkritik: Black Swan


Ich war schon seit einer ganzen Weile nicht mehr im Kino, und so bin ich auch irgendwie nicht mehr auf dem Laufenden, was das aktuelle Kinoprogramm anbelangt. Abhilfe gegen diesen Missstand hab ich bei Sibel gefunden, die ein paar (aus ihrer Sicht) Highlights für das Jahr 2011 heraus gesucht hat und diese fein säuberlich vorstellt. Und gleich der erste Trailer hat mich sehr fasziniert: Black Swan, ein psychosexueller Thriller, wie es das Filmplakat vor dem Kino anpries.

Angesprochen hat mich vor allem der Trailer, und daher gibt es den hier gleich als erstes:

Da ich lange nicht mehr im Kino war, wurde daraus ein spontanes “Testen wir mal das Studio Filmtheater“, das definitiv potential hat, unser Lieblingskino hier in Kiel zu werden. Um das Kino selbst soll es hier aber nicht gehen 😉

Statt dessen möchte ich nun ein paar Worte über den, in meinen Augen doch außergewöhnlichen Film loswerden, in dem ich letzte Woche Freitag war, ohne eigentlich genau zu wissen, was mich da eigentlich erwarten wird 🙂

In Black Swan spielt Natalie Portman die Hauptrolle, nämlich die einer Ballerina, Nina, bei der man den Eindruck gewinnen mag, dass sie in ihrem rosa, von Plüschtieren dominierten Zimmer, ein kleines, naives Mädchen geblieben ist. Dieser Eindruck wird aber sehr rasch zerstört, durch Frühstücksroutinen, die jenseits des guten sein können. Knackende Glieder, quälende Dehnübungen, Ballettproben bis zum umfallen, und nur eine halbe Grapefruit, die über den ganzen, probenreichen Tag zum Frühstück gegessen wird. Nina ist gut, sie beherrscht ihre Technik perfekt, quält sich jeden Tag um ihrem Trainer, Thomas Leroy (gespielt von Vincent Cassel) aufzufallen. Die Vogelperspektive in der Übungshallte zeigt: Dies ist nicht einfach, die Konkurrenz viel zu groß.

Um seine Macht weiß Thomas sehr genau und perfide nutzt er diese aus, genießt es, durch die Reihen zwischen den Mädchen zu stolzieren, die Ballerinen zu verunsichern, während er sich diejenigen herauspickt, die er sich für seine nächste große Inszenierung näher ansehen möchte. Sich der Zuneigung der Mädchen sicher, schreckt er dabei auch nicht zurück, ihnen mit sexuellen Handlungen noch mehr Leistung abzuverlangen.

Für Nina jedoch geht mit dem Ausscheiden des bisherigen Stars, Beth MacIntyre (gespielt von Winona Ryder) scheinbar ein Traum in Erfüllung: Sie bekommt nun nach jahrelanger harter Arbeit die Hauptrolle im weltberühmten Stück “Schwanensee“, dass zum Start der neuen Saison in einer besonderen Version von Thomas vorgetragen werden soll. Aber damit nimmt das bis dahin recht triste und eintönige Leben von Nina eine üble Wendung. So sind die Verleumdungen, denen sich Nina stellen muss, nachdem bekannt wird, das sie die Rolle bekommt, das geringste Übel. Dazu kommt die Angst, den Anforderungen nicht gerecht zu werden, der Druck der durch die Konkurrenz aufgebaut wird, und die persönliche Antagonistin (Mila Kunis in der Rolle von Lily), die scheinbar vor nichts zurückschreckt, um Nina die Rolle noch zu stehlen.

Und so sieht sich Nina gefangen zwischen den zwei Extremen, die durch ihre Mutter (Barbara Hershey) auf der einen Seite, und Beth auf der anderen Seite verkörpert werden. Beth ist der gefallene Star, der sein Leben für das Ballett geopfert hat, und der auch Nina ihr Karriereende herbeigesehnt hat – eine gescheiterte Existenz. Nina nimmt diese Rolle ein, sieht und fühlt nun erstmalig den Druck, dem eine Beth ausgesetzt ist. Sie fühlt sich schuldig und hat das Gefühl schon am Ende ihrer Karriere zu sein, noch bevor diese überhaupt angefangen hat. Das üble Ende von Beth macht ihr deshalb besonders zu schaffen. Die Mutter auf der anderen Seite verkörpert die Person, die ihre Chance selbst nie hat ergreifen können und die dadurch ebenfalls zu einer gescheiterten Existenz wird und mit aller Kraft versucht, die eigenen Träume wenigstens in ihrer Tochter zu verwirklichen; und dennoch ist sie ohne Hoffnung, da sie sich gewiss ist, das Nina ein gleiches Los ziehen wird, wie sie selbst.

So bleibt Nina nur der Versuch Perfektion zu erreichen. Aber dazu muss sie sich lockern, aus ihrer technischen Versteifung entkommen und sich der Leidenschaft hingeben – etwas, das die vereinsamte und leidenschaftslose Nina nicht kann. Und so quält sie sich in endlosen Übungsstunden weiter und wird dadurch immer weniger das, was sie doch werden soll – ein Teufelskreis.

Um dem ganzen zu entkommen flieht Nina in eine andere Welt, sie Halluziniert und gibt sich Exzessen hin, leidet immer mehr unter Wahnvorstellungen, und auch selbstverletztendes Verhalten wird angedeutet. Es beginnt ein Psychotripp bei dem der Zuschauer nicht mehr zu unterscheiden mag, was Ralität und was Wahn ist.


Das Ende möchte ich aus “dramaturgischen Gründen an dieser Stelle nicht verraten” (Zitat Markus Heitz). Aber es sei dazu gesagt, dass es relativ früh vorhersehbar ist. Dennoch verliert Black Swan dadurch in keiner Sekunde an Spannung.

Wenn ich einen Film sehe, dann lege ich vor allem viel Wert darauf, dass er atmosphärisch ist, sprich ich möchte die vorherrschende Stimmung der Schauspieler und der Situation spüren können. Black Swan gelingt dies unheimlich gut. Sogar in Ninas rosa Kinderzimmer das mit rosa Plüschhasen im Tütü und kindlichen Ballerina-Mädchen-Träumen nur so vollgestopft ist, gelingt es dem Regisseur, Darren Aronofsky dass der Zuschauer die düstere Atmosphäre spührt. Barbara Hershey spielt ihre Rolle wunderbar, und man spührt sofort, dass zwischen Mutter und Kind ein tiefer Zwist herrscht, und die Fröhlichkeit, mit der sie ihre Tochter morgens begrüßt und mit der sie ihr Glück für den Tag wünscht, nur gespielt ist. Oft ist die Kameraführung leicht bizarr und trägt so zu der düsteren Atmosphäre bei, beispielsweise wenn der Weg ins Ballett über Ninas Schulter mit zum schnellen Schritt wippender Kamera eingefangen wird, und wir durch eine sehr uneinladende Gegend geführt werden; das gesamte Umfeld erscheint fremd und bedrohlich, bis Nina dann endlich im Ballett ankommt – ihrer Welt.

Ich muss sagen, dass ich schauspielerisch von Natalie Portman wirklich überrascht bin. Auch wenn ich relativ wenige Filme von ihr kenne, in keinem der Filme, die ich bisher gesehen habe, hat sie mich schauspielerisch so überzeugt dass ich von ihr sagen würde, sie sei eine gute Schauspielerin, bei der es sich lohnt einen Film zu sehen, nur weil sie in ihm spielt. In diese Rolle jedoch scheint sie herein geboren zu sein. Ich weiß nicht, ob sie jemals elterlichen Erwartungsdruck oder ähnliche Erlebnisse beim Film/Theater hat durchstehen müssen, oder miterlebt hat. Aber es wirkt in keiner Szene in irgend einer weise geschauspielert. Eine wirklich unglaublich tolle Leistung.

Die Rivalin, Lily, ist mit Mila Kunis ebenfalls wunderbar besetzt. Sinnlich und doch auch irgendwie bösartig beherrscht sie sowohl die gefährlichen Facetten, als auch diejenigen, die sie als freundliche Person zeigen, die nur Ninas Freundschaft möchte. Sie ist geheimnisvoll und anders; das komplette Gegenstück zu Nina, trägt auf dem Rücken ein großes Tatoo, hält sich nicht an Regeln, feiert die Nächte durch und kommt tagsüber immer ein wenig zu spät zum Training. Laut Trainer Thomas ist sie sogar die Idealbesetzung für das Stück, auch wenn sie technisch nicht mit Nina mithalten kann.

Auch Vincent Cassel spielt seine Rolle als Trainer, einem exzentrischen Macho, der Überlegenheit ausstrahlt, und es auf der einen Seite genießt, Macht über die Mädchen zu haben, aber auf der anderen Seite auch versucht “seine kleine Prinzessin” mit allen Mitteln zur Höchstleistung zu fördern, wobei ihm hierbei alle Mittel recht sind (von Sex über Erniedrigung bis hin zum “Geh nach Hause und mach es Dir selbst”), sehr überzeugend.

Den krönenden Abschluss macht der Übergang von Realität in das bizarre. Am Ende weiß der Zuschauer nicht mehr was er glauben soll – der Übergang passiert fließend, und eine Szene die sich in der letzten Sekunde noch sehr real angefühlt hat, gleitet in der nächsten ins Surreale hinüber, verschmilzt mit den Halluzinationen von Nina und erreicht das ein oder andere Mal auch die Schmerzgrenze des Zuschauers.

Insgesamt also ein dramatischer, phantastisch surrealer, düster-atmosphärischer Thriller bei dem vor allem die herausragende Leistung der Schauspieler zu betonen ist – was den Film bis zur letzten Minute sehenswert macht, selbst wenn man sich relativ bald denken kann, wie es enden wird, bzw. enden muss.

Von mir gibt es daher eine Empfehlung sich diesen Film anzuschauen!

Von Darren Aronofsky kenne ich persönlich keine anderen Filme, daher kann ich keinen Vergleich zu anderen Werken ziehen, viele schreiben jedoch, dass es eine gelungene Fortsetzung zu The Wrestler. Bekanntestes Werk von Aronofsky wird wahrscheinlich “Requiem for a Dream” sein (den ich mir demnächst auch mal angucken werde).

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3 thoughts on “Filmkritik: Black Swan

  1. Auf den Film fiebere ich schon seit Monaten hin. Leider bin ich noch nicht dazu gekommen ihn mir anzusehen und damit die SPannung nicht ganz weg ist, hab ich deinen Beitrag auch nur zur hälfte gelesen ;p
    freut mich das mein beitrag dir gefallen hat 🙂

    • Dann wird’s aber langsam Zeit 😉
      Keine Angst, zuviel verrate ich nicht. Bin gespannt auf Deine Meinung zum Film.

      Und Danke für die kleine Zusammenstellung. Sind noch 2-3 andere Filme bei gewesen, die ich mir angucken möchte 🙂 (und von denen ich vorher noch nichts gehört hatte)

  2. Schön, dass Dich der Film genauso beeindruckt hat wie mich. Ich fand auch, es war eine Glanzleistung von Natalie Portman und Du hast es richtig geschrieben: es hat sich gelohnt den Film anzusehen, nur weil sie in ihm spielt. Sie ist der Film, sie macht ihn zu einem Meisterwerk. Wobei Vincent Cassel auch toll ist.

    Wenn es dich interessiert – ich habe auch eine Filmkritik zu Black Swan geschrieben.

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